Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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Ludwig Mitteis,

zu erleben brauche, um die Antrittsmöglichkeit auf seine Erben
zu übertragen. Mit einem auf andere Verhältnisse ge-
münzten Wort Mommsens möchte man davon sagen:
„Kühn war das Mühen — man kann kaum fortfahren, herrlich
der Lohn". Der Bann des formalistischen römischen Erb-
rechts lastete eben und lastet noch heute auf den ein-
schlägigen Bestimmungen des Gesetzbuchs; und hier mußte
der kühne Kämpfer sich wohl mit einem in maZnis voIui886
sat 68t bescheiden. Einen ähnlich mühevollen Kampf,
bei dem er freilich selbst die Unerläßlichkeit legislatorischer
Abhilfe betont, führt Strohal 1883 in Gellers Zentralbl. f.
die jurist. Praxis 1883 S. 261 ff. über die Frage der Eigen-
tümerhypothek im österreichischen Recht.
Die nächste Arbeit betraf gleichfalls ein Problem von
großer praktischer Dringlichkeit, ein Problem, welches zu-
nächst erkannt zu haben ein heute leider fast vergessenes
Verdienst des tiefbohrenden Alois Brinz gewesen ist.
Nach Esmarch war es Strohal, der dasselbe wieder
auf breiter Basis und mit Bezugnahme auf das lebendige
Recht in Angriff nahm in seiner 1885 erschienenen Schrift
über die Sukzession in den Besitz. Ich erinnere mich noch
eines heißen Augusttages im Jahre 1885, wo ich ihn auf
der Durchreise in Graz besuchte; er sprach, wie er pflegte,
sofort von seiner damals schon im Druck befindlichen Arbeit;
im Verlauf der Diskussion führte er mich zum Fenster,
von dem sich der Blick auf einen in der Mittagssonne da-
liegenden unverbauten Platz auftat. Dieser Platz war
vor einiger Zeit verkauft worden; der Blick auf ihn war
alles andere als interessant. Außer für einen Besitzjuristen;
dieser konnte hier wirklich empfinden, wie wenig Sinn es
hätte, eine solche Sandebene noch besonders körperlich zu
übergeben.

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