Full text: Volume (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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Eugen Josef,

lich ist. Zur Einforderung umfangreicher Gutachten und
zur Vernehmung mehrerer Sachverständiger, die über die
gleiche Frage (Echtheit des Testaments, Zurechnungs-
fähigkeit des Erblassers usw.) sich auslassen, wird es in
dem der Erteilung des Erbscheins vorgehenden Verfahren
nur selten kommen. Für die Erreichung der praktischen
Zwecke des Erbscheinverfahrens ist eine baldige Erteilung
des Erbscheins nötig, was den Nachlaßrichter bestimmen
wird, möglichst von einer weitausschauenden Beweisauf-
nahme abzusehen. Oft wird er — woraus ihm ein Vor-
wurf nicht gemacht werden kann — über die Richtigkeit
oder Unrichtigkeit einer Tatsache, soweit nicht § 2356 die
Einreichung von Urkunden vorschreibt, nach eigenem freien
Ermessen befinden. Der Nachlaßrichter ist ferner, wenn-
schon er seine Ermittelungen von Amts wegen anstellt,
nicht in der Lage, alle die Streitpunkte zu übersehen, die
erst im Prozeß sich Herausstellen."
Man erwäge auch, daß auf die Beweisaufnahme des
Nachlaßgerichts der § 15 FGG. Anwendung findet, d. h.
also die Beeidigung der Zeugen und Sachverständigen vom
Ermessen des Richters abhüngt, während die Prozeßparteien
ein Recht auf deren eidliche Vernehmung haben. Ferner:
während im Verfahren des Zivilprozesses die Partei „an
das Gewissen des Gegners appellieren", ihm also den Eid
über ihre Behauptung zuschieben kann, gibt es dergleichen
in der freiwilligen Gerichtsbarkeit nicht; es können also im
oben vorausgesetzten Fall vor dem Nachlaßgericht die gesetz-
lichen Erben nicht dem Testamentserben den Eid über dessen
Handlungen und Wahrnehmungen zuschieben2), und von der
Befugnis, einen Beteiligten zur Versicherung an Eides Statt
2) Josef, FGG. 2. Stuft., Anm. 6 zu 8 15, und Josef in
ZZP. 42, 31.

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