Full text: Volume (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

Emil Strohal.

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schüft mit dem von dem gleichgesinnten, ihm aber damals
/persönlich noch nicht bekannten späteren Freunde Heinrich
Brunner ohne Strohals Kenntnis aufgestellten: staats-
rechtliche Sonderstellung und Zusammenfassung der ehemals
zum deutschen Bund gehörigen Länder bei selbständiger
staatsrechtlicher Stellung Galiziens. Ob und wie dieses
Programm praktisch durchführbar gewesen wäre und inwie-
weit die spätere Entwicklung den politischen Ideen des
Jünglings recht gegeben hat, darüber ist hier nicht zu
diskutieren. Mir schien in seinen Berechnungen immer ein
Faktor zu wenig berücksichtigt, die Frage des Deutschtums
in Böhmen und Mähren. Dieses Problem, das stets ein
Angelpunkt der zisleithanischen Politik bleiben wird, lag
eben den Deutschen in Steiermark und Kärnten gänzlich
fern, von der Lage dieser Verhältnisse hatte auch Strohal,
der aus den Alpenlündern nie hin aus gekommen war, keiner-
lei Anschauung, und so mußte hier vieles ein unpraktisches
Idealbild werden. Doch ändert das nichts daran, daß die
starke und unbeugsame Vertretung des deutschen National-
gedankens in Oesterreich eine Notwendigkeit und darum ein
Verdienst war; ein um so anerkennenswerteres, als dieser
Deutsche seine nationale Arbeit selbstlos nur um der Sache
willen tat, nicht um ein Sprungbrett auf der politischen
Laufbahn zu gewinnen. Die Versuchung zu dieser mag ja
manchmal an ihn herangetreten sein. Sein Name als der
eines hinreißenden und gedankenreichen Redners war damals
schon in Vieler Munde; noch viele Jahre später, als er
Oesterreich längst verlassen hatte, wußten selbst Leute, die
seine wissenschaftliche Bedeutung nicht zu beurteilen ver-
mochten, sein politisches Wirken zu rühmen, und das weit
außerhalb der Steiermark. Wenn Strohal trotzdem der
Versuchung widerstanden hat. so wird derjenige, der ihn

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