Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

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Leonard Jacobi,

Mit größerem Rechte wird heutzutage überwiegend an-
genommen, daß in seinen Grundzügen das Recht
nicht gemacht, sondern gefunden wird. — Unzweifel-
haft war dies auch die Grundanschauung bei Abfassung des
B.G.B.
Jedenfalls ist nicht einzusehen, was der Wissenschaft, wenn
sie ein nationales Recht ausbilden und Pstegen will, er-
wünschter sein könnte, als sich des vorhandenen Reichthums
der nationalenSprache zu bedienen, soweit derselbe auch
für das Recht zureicht, da sie ohne die Hülfe der Sprache
Begriffe doch weder aufnehmen noch bilden kann. D a s R e ch t
hat als Ordnung der Gesellschaft das Volks-
leben zum Gegenstände, dem es sich nicht ohne
Roth entfremden darf, so wenig als es berechtigt
ist, ein eigenes Alphabet für seine Rechtssprache
zu erfinden.
Es ist schon früher hervorgehoben, wird übrigens auch
von I h e ri n g nicht verkannt, daß die römischenIuriften
sich der Volkssprache auch in solchen Wendungen angeschlossen
haben, in denen sie ihren Rechtsanschauungen nicht entsprach
Sie handelten eben nach dem oben ausgesprochenen Grund-
sätze, daß der Sprachgebrauch eine Thatsache ist,
welche die Wissenschaft zu respektiren hat. —
meine Abhandl. in diesen Jahrb., Bd. 35 S. 73 f. Anm. 81. —
Auf den richtigen Weg führt die Bemerkung Dernburg's Pand., Bd. i
§ 26 Anm. 2, man dürfe nicht vergessen, daß die schöpfe rische Kraft
der Gesetzgebung eine sehr geringe, in dieser Hinsicht namentlich auf dem
Gebiete des Privatrechts das Gewohnheitsrecht jener weit überlegen ist.
14) Z. B. „partes indivisae'1 (Antheilsrechte, L. 5 D. 13, 6 commo-
dati), ,,pecus cui adpuisus debetur“ (Viehtränke des herrschenden Grund-
stücks, L. 1 § 18 D. de aqua cotidiana 43, 20); „res inemta“ (Rücktritts-
recht des Verkäufers, L 6 § 4 D. 18, 1 de contrah. emtione). Siehe
meine Abhandl. in diesen Jahrb., Bd. 35 S. 74 Anm 81 und dort
Citirte.

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