Full text: Volume (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

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Franz Leonhard,

bald starke Durchbrechungen erfahren hat1). Insbesondere war
dieS bei Testamenten der Fall. Diese sollen nun nach Ennec-
cerus freilich wegen ihrer Gesetzesnatur überhaupt ganz von
dem Prinzip ausgeschlossen gewesen sein: aber das Gegentheil
erhellt doch meines Erachtens aus den römischen Sätzen über
die Erbfähigkeit und die Nothwendigkeit ihrer zeitlichen Fort-
dauer 2).
Wie dem aber auch sei, jedenfalls können wir das Simul-
taneitäts-Prinzip heute nicht mehr anwenden. Wir sehen
keineswegs in jedem Geschäfte, dessen Endwirkung erst später
eintritt, ein widerrufliches. Noch weniger aber folgern wir aus
dem Widerrufsrecht eine suspensive Unvollkommenheil. Beides
ist durchaus trennbar von einander. Man darf sich auch nicht
etwa für das Gegentheil darauf berufen wollen, daß das
B.G.B. beim Vertragsantrage beides gleichzeitig beseitigt habe
(§§ 145, 153). Denn dabei wäre übersehen, daß der Antrag
schon mit seiner Absendung vom Tode unabhängig wird, un-
widerruflich dagegen erst mit der Ankunft. Wir betrachten
endlich auch Testamente und Schenkungen unter Ehegatten
ohne weiteres als vollendete Geschäfte3)4).
Hierbei bleibt aber nun noch ein logisches Bedenken zu
überwinden. Der Wille bildet bei Rechtsgeschäften, wenn nicht
die einzige, so doch jedenfalls eine selbständige Ursache des Er-
folges. Er muß daher bis zum Beginne der Wirkung fort-

1) Koppen, S. 150 Anm. 18, S. 224 ff.; ä. 49, 17 da castr.
pec. l. 18 § 1; Enneccerus, S. 224 ff.
2) Vergl. Dernburg, Pandekten, Bd 3 S. 107.
3) Vergl. Karlowa, S. 32, Marsson, S. 44 gegen Köppen,
S. 145.
4) In einer früheren Veröffentlichung dieses Aufsatzes (Marburger
Rektoratsprogramm I899) schloß sich hier eine Beurtheilung der Ansichten
an, die EnnecceruS in seinem „Rechtsgeschäft", S. 152—168 über die
Frage der Simultaneität und den ursächlichen Zusammenhang zwischen

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