Full text: Volume (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Die Wahl bei der Wahlschuld.

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aber nicht nur die allgemeine Analogie zwischen dinglichen und
persönlichen Verträgen *), sondern vor allem auch die soeben
angeführten Worte des kowpovius, dessen Begründung auch
auf die Schuldverträge genau paßt. Nun bringt Köhler
allerdings auch sachliche Gründe vor, die für die Widerruflichkeit
des dinglichen Vertrages (oben Satz 1) sprechen könnten. Aber
sie reichen nicht aus, um den viel auffallenderen Satz 2 zu
rechtfertigen. Wenn ich, wie Köhler meint, hier berechtigt
bin, meine Erklärung zurückzuziehen, so ist es doch aber noth-
wendig, daß ich etwas dazu thue. Also bleibt gerade der
Hauptpunkt, die suspensive Unvollkommenheit, auch hier genau
ebenso eigenthümlich. Sie erklärt sich nicht aus der Besonder-
heit der dinglichen Geschäfte, sondern nur aus dem allgemeinen
und überall wirkenden Grundsätze der Simultaneität.
20.
Dieses Prinzip kann man nun meines Erachtens un-
möglich noch heute als geltend betrachten1 2). Die Konstruktion
der Römer ist selbst für das gemeine Recht nicht schlechthin
bindend. Dabei ist der zu Grunde liegende Gedanke — von
der Präsenz des Thatbestandes — sogar schon zu römischen
Zeiten veraltet. Nun führt Enneccerus (S. 220ff.) aller-
dings gegen Ihering aus, daß gar nicht dies Prinzip zu
der Simultaneität geführt habe, sondern vielmehr die alt-
römische Auffassung, wonach der Wille die Rechtswirkung schafft.
Er beruft sich insbesondere darauf, daß sich der andere Aus-
fluß des allgemeinen Prinzipes, die Einheit des Errichtungs-
aktes, schon sehr früh fast ganz verloren hat. Dagegen ist
aber zu beachten, daß auch das Simultaneitäts-Prinzip schon

1) Marsson, S. 49.
2) Zitel ma nn, Jahrbücher für Dogmatik, Bd. 16 S. 390 ff., 395.

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