Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Wichtige Probleme des Lebensversicherungsrechts.

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befriedigenden Resultat führen würde, in Wahrheit nicht durch-
führbar. Auch würde sie zu einigen praktisch nicht willkommenen
Ergebnissen führen, z. B. die Beleihung der Polizen sehr er-
schweren. Daher ist es richtig, daß bei allen nicht privilegirten
Lebensversicherungsverträgen die rechtliche Stellung der Gläu-
biger sich auch künftig nach den schon geltenden, im § 5 dar-
geftellten Regeln bestimmt.
III. Durch eine derartige gesetzliche Regelung, wie ich sie
hier in den Grundzügen angedeutet habe, würde diese Seite
des Lebensversicherungsrechts geklärt und vereinfacht, den Gläu-
bigern des Versicherten würde das Gefühl ungerechter Behand-
lung ferngehalren werden, und die Herrschaft des Zufalls würde,
wenigstens soweit wie er zu Ungunsten der Gläubiger aus-
schlagen kann, beseitigt sein.
Allerdings ist der jetzige Zustand für den Versicherten
äußerst angenehm und infolgedessen für das Institut der
Lebensversicherung außerordentlich günstig *). Der Versicherte
erhält neben der Sicherheit, seine Hinterbliebenen versorgt zu
wissen, zugleich die Möglichkeit, bei Lebzeiten noch selber über
den Versicherungsanspruch zu verfügen, und das wird die
Neigung, einen Lebensversicherungsvertrag einzugehen, und be-
sonders die Neigung, bei der Gesellschaft auszuharren, sehr
verstärken. Die Kehrseite der Medaille fehlt freilich auch nicht
gänzlich, denn solange der Versicherte selbst über den Anspruch
verfügen kann, ist dieser auch dem Zugriff seiner Gläubiger
ausgesetzt, im Uebrigen jedoch überwiegen auf Seiten des Ver-
sicherten ganz gewiß die Annehmlichkeiten. Aber er erhält sie
auf Kosten der Gläubiger, deren Befriedigung davon abhängt,
ob sie sich bis zum Tode ihres Schuldners über seine Solvenz

i) Freilich nur, wenn man die oben S. 399 s. bekämpfte Ansicht von
Suylard und Hellwig verwirft.

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