Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

DaS eigenhändige Testament.

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errichtung nur giebt im Sinne der Zeit, zu der dieselbe zum
Abschlüsse gelangte, während es außerdem für jeden Be-
ftandtheil derselben eine Zeit seiner Vollziehung giebt,
die von der Zeit der Vollziehung ihrer übrigen Bestandtheile
beliebig verschieden sein kann, da für das eigenhändige Testa-
ment das E^orderniß des unitas actus nicht besteht. Das-
selbe gilt bezüglich des Ortes. Besteht nun das Erforderniß
der Angabe des Ortes und Tages, an dem das Testament
errichtet wurde, so kann man darunter verstehen den Ort und
Tag, an dem die Errichtung des Testamentes zum Abschlüsse
gelangte, oder den Ort und Tag, an dem die Datirung
erfolgte, die ja selbst ein Bestandtheil der Testamcntserrichtung
ist. Beide Orte und Tage wären identisch, wenn die Datirung
zuletzt erfolgen müßte, was aber nicht vorgeschrieben ist,
wie auch nach unserer Sitte datirte Schriftstücke das Datum
ebenso häufig an ihrem Kopfe wie an ihrem Schluffe auf-
weisen. Muß aber die Datirung nicht den Schluß der Tefta-
mentserrichtung bilden und kann sie in Ermangelung eines
für die Bestandtheile dieser vorgeschriebenen Zeitverhältnisses
dem Abschlüsse derselben um beliebige Zeit vorhergehen, so
kann sie auch nicht den zur Zeit noch ungewissen Ort und Tag
des Abschlusses der Testamentserrichtung angeben, vielmehr
nur den Ort und Tag, an dem sie selbst erfolgte. Man
kann weder eine Datirung von einem anderen Orte und Tage
als dem Orte und Tage ihrer wirklichen Vollziehung richtig
noch eine Datirung vom Orte und Tage ihrer wirklichen Voll-
ziehung unrichtig nennen. Eine in diesem Sinne richtige
Datirung giebt aber, wenn die Errichtung des Testaments erst
später abgeschlossen wurde, nicht den Ort und Tag seiner ab-
geschlossenen Errichtung, sondern nur einen solchen Ort und
Tag an, an dem ein bestimmtes Stück der Testamentserrich-
tung eintrat.

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