Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

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E. Hölder,

stammt das richtige Datum seiner Errichtung oder seiner
vom Testator vollzogenen Unterzeichnung.
Das Urtheil nimmt also an, das eigenhändige Testament
gelange zur Existenz durch die Vollziehung der Unterschrift.
Ist aber zu seiner Entstehung erforderlich die eigenhändige
Niederschrift, die eigenhändige Unterschrift und die eigenhändige
Datirung, so gelangt es zur Existenz in dem Zeitpunkte, in dem diese
Momente zusammentreffen, unabhängig davon, welches von ihnen
vor dem anderen realisirt wurde. Hatte ich die testamentarische Er-
klärung sowohl niedergeschrieben als unterschrieben, aber noch nicht
datirt, und füge ich erst nach Monaten oder Jahren das Datum
hinzu, so gelangt das Testament erst durch seine Datirung,
also auch erst am Tage derselben zur Existenz. Ebenso kann
aber die Niederschrift des Testamentsinhaltes eine solche sein,
die erst nach der Unterschrift zum Abschlüsse gelangt. Habe
ich z. B. eine Urkunde geschrieben und unterschrieben, in der
ich erkläre, bestimmte Freunde und Verwandte zu bedenken,
ohne schon jetzt die bestimmten ihnen zugedachten Gegenstände
oder Beträge zu bezeichnen, so gelangt das Testament erst durch
deren nachträgliche Beifügung zur Existenz. Ist der Zeitpunkt
seiner Errichtung der Zeitpunkt, in dem es zur Existenz gelangt,
so ist er identisch mit dem Zeitpunkte seiner zum Abschlüsse
gelangten Vollziehung.
Fordert die Entstehung einer Willenserklärung außer einem
bestimmten Verhalten ihres Urhebers noch den Eintritt weiterer
Thatsachen, so müssen wir unterscheiden ihre durch das Ver-
halten ihres Urhebers erfolgende Vollziehung und ihre erst
durch den Eintritt jener weiteren Thatsachen erfolgende Voll-
endung (vergl. darüber meinen Kommentar zum Allgem.
Theil des B.G.B. S. 234, 288 ff.). Bezüglich ihrer Voll-
ziehung ist aber weiter zu unterscheiden, ob sie durch ein ein-
faches oder durch ein zusammengesetztes Verhalten er-

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