Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Ersatz aus Verträgen für den Schaden rc.

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mit unvollkommneren Hilfsmitteln. Die Kodifikation schneidet
unvermeidlich auch ins gesunde Fleisch unserer Rechtsentwickelung.
Erweitern wir nicht unnöthig diesen Schnitt. Was hat das
römische Privatrecht auf die hohe Stufe der Ausbildung
geführt? Nicht allein, aber wesentlich mit die Stetigkeit seiner
Entwickelung-"). Wir sollten uns die Lehre der Geschichte
zu Nutze machen.
Freilich, damit der unversiegliche Born des römischen
Rechts auch der Heranwachsenden Iuristenwelt zugänglich bleibt,
muß der Pflege des auf römischer Grundlage ruhenden ge^
meinen Rechts im akademischen Unterricht ein anderer Raum
gewährt werden, als nach der gegenwärtigen Ordnung der
Fall ist. Die Inftitutionenvorlesungen, die noch dazu im
ersten Semester gehört zu werden pflegen, erwecken in dem
des Stoffes ungewohnten jugendlichen Geist bestenfalls eine
Ahnung, keineswegs ein Verständniß vom römischen Recht.
Schon jetzt stößt der Leiter von exegetischen Uebungen in den
Digesten, auf deren Betrieb die Unterrichtsverwaltung mit
Recht Gewicht legt, auf Schwierigkeit, die Theilnehmer in die
feinen Windungen des Gedankengangs eines Juristen ein»
zuführen, da ihnen eine wesentliche Voraussetzung fehlt, eine
Kenntniß von der römischen Unterscheidung zwischen Unmündig-
keit und Minderjährigkeit, vom Einfluß der Hausverfaffung
auf die vermögensrechtliche Stellung der Hausangehörigen,
vom SO Macedonianum und Velleianum, von der Lex
Cincia und Lex Falicidia und vielem Anderen.
Es ist merkwürdig: bei allen uns umwohnenden Na-
tionen, die längst eigene Civilgesetzbücher haben, in Oesterreich,
in der Schweiz, in Italien, in Frankreich, bildet die Ein-
führung der jungen Juristen in das römische Recht die breite

33) S a v i gny, Vom Beruf unserer Zelt für Gesetzgebung, S. 31 fg.

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