Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

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NegelSberger,

Diese und ähnliche Fragen sind gewiß berechtigt. Trotz-
dem führt es zu einem gedeihlicheren Ergebmß, das Problem
auf dem Boden des römischen Rechts zu lösen 31), als nach
unbestimmten Eindrücken und Erwägungen. Es wird unserer
juristischen Erziehung nicht schaden, wenn wir immer wieder
in den Schacht der römischen Jurisprudenz hinabsteigen; es
giebt da noch manchen Schatz zu heben, wie z. B. die er-
wähnte Untersuchung von Lenel gezeigt hat.
Die fiduziarische Rechtsübertragung wird auch unter der
Herrschaft des B.G.B. eine Rolle spielen. Das Gesetzbuch
verwirft sie nicht, wie aus § 2232 hervorgeht, aber stellt
darüber keine Regeln auf. Theorie und Praxis des bisherigen
Rechts haben an dem Ausbau dieses Rechtsinstituts gearbeitet,
an seiner Abgrenzung gegen verwandte Erscheinungen, an der
Feststellung seines berechtigten Umfanges. Man wird gut thun,
an diesen Ergebnissen feftzuhalten, bis bessere gefunden sind.
Ferner wird sich eine Entlehnung aus dem bisherigen
Recht als Bedürfniß erweisen für die Vorverträge, die nur in
einer einzelnen Erscheinung vom B.G.B. geregelt sind (§610),
über die sog. mittelbare Stellvertretung oder Ersatzmannschast,
über die comp6N8atio damni cum lucro und manches Andere.
In die Reihe dieser Ergänzungen tritt nun auch die
gemeinrechtliche Lösung der oben ausführlich besprochenen Frage.
Wir stehen hier nicht vor einem Vakuum, sind nicht gezwungen,
einen neuen Argonautenzug anzutreten 3 2) und zwar diesmal
31) A. M. Fr. Leonhard, a. a. O. S. 68, weil der Besitzerwerb
nach römischem Recht stets einen darauf gerichteten Willen erforderte.
Meine- Erachtens wird der Gegensatz zwischen dem römischen Besitzrecht
und dem Besitz des B.G.B wegen des Willensmoments stark aufgebauscht.
Der Besitzerwerb ohne die entsprechende Willensrichtung des Erwerbers ist
im heutigen Recht eine verhältnißmäßig seltene Erscheinung und war dem
römischen keineswegs ganz unbekannt. Darüber an einem anderen Ort.
sr) Der entgegengesetzten Meinung ist der Verfasser der in Note 10 a
erwähnten Abhandlung. Er kommt auch über ein non liquet; nicht hinaus.

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