Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Ersatz aus Verträgen für den Schaden rc.

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dieser wichtige Schild gegen anstößige Rechtsverfolgung, hat
im B.G.B. keinen unmittelbaren Ausdruck gefunden. Aber er
steht mit der Grundrichtung des B.G.B. nicht in Widerspruch;
im Gegeniheil, es kommt ihm manche Bestimmung entgegen.
Wenn auch nicht seeunäum leZem, sondern praeter leZem,
ist er für das geltende Recht in Anspruch zu nehmen. Dafür
hat sich schon eine stattliche Zahl von Stimmen erklärt 29).
Das B.G.B. hat sich einer Regelung des Besitzerwerbs
durch Mittelspersonen enthalten, obwohl die Begründung mittel-
baren Besitzes durch Andere zulässig ist, ja selbst der Erwerb
unmittelbaren Besitzes durch Vermittelung von Personen, auf
die § 855 zutrifft 3°). Ich glaube, die Gesetzgebung hat sehr
weise daran gethan, die Hand von dieser noch ungeklärten
Materie zu lassen. Aber die Rechtsprechung kommt nicht um
sie herum. Woher soll sie die Lösung nehmend Ich sage:
aus dem bisherigen und zwar dem gemeinen Recht. Man
wird mir entgegnen: Was ist gemeines Recht für den Besitz-
erwerb durch Mittelspersonen? Ist es die Willenstheorie? Und
wenn die Willenstheorie: ist Willensübereinstimmung der beiden
handelnden Personen erforderlich? Oder entscheidet der Wille
des Tradenten? Oder der Wille des Empfängers? Oder gilt
die in der Praxis verbreitete Konstitutstheorie? Oder die In-
tereffentheorie Ihering's? Oder die von Lenel (in diesen
Jahrbüchern, Bd. 36 S. 42 fg.) entwickelte Kausaltheorie?
29) Ich erwähne, ohne Vollständigkeit zu beabsichtigen, Eck, Samm-
lung von Vorträgen über den Entwurf eines B.G.B., Heft 1 (1896) S. 49;
Planck, Kommentar zu § 242; Hellmann, Vorträge über das B.G.B.,
S. 202 sg. Hachenburg, Borträge, S. 7; Danz, Auslegung der
Rechtsgeschäfte, S. 145; Enneccerus, Einführung, Bd. 1 8 129, Bd. 3
8 150 a. E.; Reh dein, Kommentar, Bd. 1 S. 339. Abseits steht
Endemann, Einführung, Bd. i § 72 Note 16, wie es scheint auch
Matthiaß, Lehrbuch, Bd. i 8 «6.
30) Darüber handelt in eingehender Untersuchung Franz Leon-
hard, Vertretung beim Fahrniserwerb (1899), namentlich S. 57 fg.

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