Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

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Regelsberger,

neueres Gesetzbuch. Gleich ihren römischen Vorgängern haben
die gemeinrechtlichen Juristen mit dem doc ^ure utimur zahl-
reiche neue Rechtsgedanken eingeführt und in das Recht einen
äußerlich unscheinbaren, aber um so stetigeren Fortschritt gebracht.
Wer daran zweifelt, der möge eine Darstellung des gemeinen
Civilrechts aus dem Anfang mit einer Darstellung aus dem
Ende des 19. Jahrhunderts vergleichen. Dies wird übersehen,
wenn man der Privatrechtswissenschaft den Vorwurf macht,
sie habe sich nnr um die lex lata, nicht um die lex ferenda
gekümmert. Sie hat an dieser mitgearbeitet und zwar in
fruchtbarerer Weise, als dies durch Gründung eines neuen
Wissenszweiges geschehen könnte. Die uns empfohlene Civil-
politik würde, wie ich fürchte, nur ein Tummelplatz für Ober-
flächlichkeiten werden. Vestigia terrent. Endlich ist die
positive Grundlage des gemeinen Rechts, was Vertiefung der
rechtlichen Ordnung anlangt, im Ganzen den neueren Rechten
überlegen. Davon überzeugt sich jeder, der das römische Recht
nicht bloß aus Vangerow oder W i n d sch e i d kennen lernt.
Es ist das auch erklärlich. Das corpus juris civilis ist seinem
Schwerpunkt nach kein Gesetzbuch; es ist die Zusammenfassung der
Jurisprudenz eines für die Ausbildung des Rechts hervorragend
begabten Volkes. Viele Generationen haben an der Fest-
stellung der Rechtsregeln gefeilt, Theorie und Praxis in glück-
licher Vereinigung. In solch langer Arbeit wird der Nerv der
Lebensverhältnisse schärfer erfaßt als bei einer einmaligen, noch
so gewissenhaften Erwägung.
Zur Veranschaulichung, wie ich mir die Ergänzung des
geltenden Rechts aus dem bisherigen denke, greife ich einige
Beispiele heraus. Es kann dies zugleich zur Beruhigung
ängstlicher Gemüther dienen, die eine Untergrabung des neu
gewonnenen Rechtsbodens besorgen.
Der materielle Gedanke der exceptio doli generalis,

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