Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Ersatz aus Verträgen für den Schaden rc.

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von Haftung für den Mißerfolg frei, wenn ihn keine Schuld
trifft. Wird aber die Geschäftsbesorgung vom Beauftragten
durch Vertrag einem Dritten übertragen, so ist keineswegs
selbstverständlich, daß der erste Beauftragte seinem Auftraggeber
für die schuldhafte Handlungsweise des von ihm gestellten
Ersatzmannes nicht verantwortlich sei. Im Gegentheil: indem
der erste Beauftrate seinem Auftraggeber für den durch den
zweiten Beauftragten verursachten Schaden aufkommen muß,
seinerseits aber sich an seinem Beauftragten erholen kann, wird
der Schaden aus den schuldhaften Urheber abgewälzt. In-
soweit stellt sich die Regelung als vollkommen gerecht dar, die
Haftung des schuldlosen ersten Beauftragten ist unschädlich,
weil er seinen Beauftragten auf Ersatz belangen kann. Freilich
kann die Abwälzung auf den zweiten Beauftragten an dessen
Zahlungsunfähigkeit scheitern. Dem ersten Beauftragten diesen
Nachtheil zu überbürden, wäre unbillig, da er schuldfrei ist;
unter diesen Umständen wird daher dem zunächst Betroffenen,
dem ersten Auftraggeber, der Schaden nicht abgenommen,
mit anderen Worten, den Nachtheil aus der Zahlungs-
unfähigkeit des zweiten Beauftragten trägt der erste Auftrag-
geber. Dies wird durch den Satz erreicht: der erste Beauf-
tragte haftet seinem Auftraggeber für die schuldhafte Handlung
seines Ersatzmannes, weil er diesen auf Ersatz belangen kann;
er haftet aber nur so weit, als dieser Ersatz zu erlangen ist.
Dies spielt sich am einfachsten so ab, daß der erste Beauftragte
seinem Auftraggeber den Anspruch abtritt, den er gegen den
zweiten Beauftragten hat.
Und das alles — so wird man vielleicht fragen — soll
in den wenigen Worten Ulpian's enthalten sein? Ob sich der
Jurist den ganzen Gedankengang zum vollen Bewußtsein
gebracht hat, kann dahingestellt bleiben. Es ist der Vorzug

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