Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

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Regelsb er ge

Die aufgestellte Regel entbehrt aber auch nicht der positiven
Begründung. Vor allem nicht im römischen Recht.
Zwar ist die Zahl der Belege nicht groß, wenn man alle
zweifelhaften Stellen bei Seite (ä§t22). Aber sie reicht aus:
111p. L. 8 § 3 mand. 17, 1: Si quis mandaverit alicui
gerenda negotia eius, qui ipse sibi mandaverat, habebit
mandati actionem, quia et ipse tenetur: tenetur autem,
quia agere potest.
Immer wieder finden die Ausleger darin den Zirkel-
schluß: der erste Beauftragte haftet seinem Auftraggeber, dem
materiell Betheiligten, weil er den Afterbeauftragten belangen
kann, und er kann diesen belangen, weil er seinem Auftrag-
geber haftet.
Eine solche Flachheit traut man einem römischen Juristen
zu. Brinz, § 270 Note 38 nimmt, um die Ehre Ulpian's
zu retten, zu der willkürlichen Unterstellung die Zuflucht, der
erste Beauftragte habe den Auftrag unbefugterweise weiter
gegeben. Und das sollte in der Stelle verschiegen sein?
Man versperrt sich das Verständniß, wenn man an die
Stelle mit dem Dogma herantritt, daß der erste Beauftragte
von Haftung frei sei, wenn ihm in der Weitergebung des
Auftrags keine Schuld zur Last fällt.
Steht dieser Satz so fest? Zimmermann, S. 71 fg.
hat den Gedankengang des Juristen klar gelegt. Bei der regel-
mäßigen Gestalt des Auftragsverhältnisses, wo der Beauftragte
die Besorgung des Geschäfts selbst in die Hand nimmt, ist er

82) Hierzu zähle ich die regelmäßig angezogenen L. 14 81 quis caut.
2, li und L. 81 § l V. O. 45, 1, weniger aus dem vonBrinz, § 270
Note 39 a. E. und Tuhr, S. 551 Note 52 vorgebrachten Grunde, als
weil eS sich um das Eingreifen eines procurator handelt, das in mancher
Beziehung einer Ausnahmsbehandlung unterlag, z. B. L. 13 a. R. D. 41, l.

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