Full text: Volume (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

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RegelSb erger,

Ersatzmann geschlossenen Vertrag auf dessen eigenes Interesse
ist in den Quellen kein Zeugniß zu finden. Im Gegentheil,
den Quellenäußerungen liegt ersichtlich die Anschauung zu
Grunde, daß der Geschäftsherr durch die Abtretung des von
seinem Ersatzmann erworbenen Vertragsanspruches ein wirksames
Klagrecht gegen dessen Vertragsgegner gewinnt.
Es liegt nahe, den Ersatzanspruch des Ersatzmanns in
Ermanglung eines individuellen Vermögensinteresses, an der
Vertragserfüllung auf den Werth zu beschränken, den die
unterbliebene Leistung für Jedermann hat (vera rei aestimatio).
Auch diese Einschränkung weist Zimmermann zurück. Das
wäre vor allem eine Ausnahme von der Regel, daß die Ersatz-
pflicht des Schuldners wegen Vertragsverletzung das gesammte
Interesse des Gläubigers umfasse; für diese Ausnahme fehle
es an jeder Andeutung. Noch mehr spreche gegen die Ein-
schränkung die daraus entspringende Verkümmerung der Ersatz-
mannschaft bei der Vertragsschließung, die mit der sichtlichen
Befriedigung der römischen Jurisprudenz an dieser Aushilfe
nicht vereinbar sei. Denn in den meisten Stellen, die von
der hier in Frage befindlichen Abtretung handeln, sei die zu
cedirende Klage die aetio mandati, und beim Mandat lasse
die dem Mandatar obliegende Leistung häufig eine objektive
Schätzung nicht zu"^).
10») Die streng geschlossene Beweisführung Zimmermann's hat
öfter daS Schicksal gehabt, mißverstanden zu werden. So auch in einer
neueren Abhandlung über unsere Frage von vr. Solmitz in Hamburg
(Hanseatische Gerichtszeitung, 1899 Nr. 49 S. 289—295). Hier wird Z.
die Behauptung unterstellt, nach römischem Recht habe jeder procurator für
das gesammte Interesse des äomious an der Erfüllung des mit dem Dritten
geschlossenen Vertrags gehaftet, auch für die Zahlungsunfähigkeit des Dritten;
er habe dem dominus vollkommen dei credere gestanden. Hören wir
Zimmermann selbst. S. 71 fg. stellt er zunächst für das Verhältniß
zwischen Auftraggeber (Geschäftsherru) und Beauftragtem (freiwilligem Ge-
schäftsführer) fest, daß die Bedingungen einer gegen den Beauftragten an-

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