Full text: Volume (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Die Wahl bei der Wahlschuld.

21

ein schutzwürdiges Interesse des Gläubigers konkurriren kann,
zeigen die oben gegebenen Beispiele. Nur schwer wird man
sich in einem Falle zu der Annahme entschließen können, daß
dem Gläubiger die Ungewißheit hier gar nicht zu gute kommen
solle. Regelsberger (S. 172) sieht einen solchen Fall in
dem Wahlrecht des Schwängerers: aut äue aut äota. Aber
gerade hier scheint es mir für den Anspruch der Geschwächten
von großem Werthe zu sein, daß sie bei Zahlungsunfähigkeit
des Schuldners auf der Heirath bestehen kann — und bei
zufälliger Unmöglichkeit der Heirath auf der Ausstattung. Wie
dürfte der Schuldner ihr diese Aussicht durch die einfache Er-
klärung nehmen können, daß er sie nicht heirathen wolle!
Regelsberger^) weist nun freilich darauf hin, daß es ihr
doch andererseits auch gestattet werden müsse, sich auf diese
Erklärung zu berufen. Habe der Schwängerer die Ausstattung
gewählt, so müsse es der Gläubigerin nun unbeschadet ihres
Anspruches freiftehen, selbst zu heirathen. So richtig auch
letzteres ist. so beruht doch die Schlußfolgerung Re gels-
berg er's meines Erachtens auf einer nicht zutreffenden Vor-
aussetzung: nämlich, daß die Gläubigerin durch die Heirath
ihren Ausstattungs-Anspruch verlieren würde, wenn die Wahl-
schuld nicht durch bindende Wahl vereinfacht wäre. Und das
ist nicht anzuerkennen. Gewiß nicht nach römisch-gemeinem
Recht. Denn danach wird die möglich bleibende Leistung selbst
noch nicht dadurch ausgeschlossen, daß der Gläubiger die Un-
möglichkeit der anderen verschuldet hat. Sondern auch hier
konzentrirt sich die Schuld trotzdem auf die mögliche Leistung
und der Gläubiger hat nur nach den Grundsätzen der un-
erlaubten Handlungen Schadensersatz zu leisten 2). Aber auch
nach dem bürgerlichen Rechte, das hierin abweicht, würde nicht

1) a. a. O. S. 172; vergl. auch Seuff. Arch., Bd. 31 Nr. 319.
2) d. 9, 2 ad leg. Aq. l. 55; Vangerow, Pandekten, Bd. 3 S. 23.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer