Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 41 = 2.F. 5 (1900))

Die rechtliche Stellung des Konkursverwalters. 125
nennung des Verwalters, noch das Recht hätten, ihn zu ent-
fernen, noch ihn nöthigen könnten, sich nach ihren Wünschen
zu richten. Eine gleiche Stellung hat aber offenbar auch der
Gemeinschuldner. Wenn Petersen") doch eine Difformität
zwischen beiden darin finden will, daß die Vertretung durch
den Konkursverwalter im Interesse der Konkurs-
gläubiger erfolge, diese also gewissermaßen nur als die
passiv bei der Sache Betheiligten anzusehen seien, so ist der
Gedanke nur in dem Sinne wahr, daß das Interesse der
Gläubiger zur Einrichtung eines Konkursverfahrens überhaupt
geführt hat, beweist aber nichts dafür, daß in solchem Ver-
fahren nun der Gemeinschuldner als der aktive, der handelnde
Theil angesehen werden müsse. Es ist an sich gewiß richtig,
nur das Interesse der Konkursgläubiger zu betonen, und nicht
das des Gemeinschuldners. Die Konkursgläubiger können
nichts weiter als Befriedigung aus der Konkursmasse ver-
langen, und wenn die Thätigkeit des Konkursverwalters aus-
schließlich darauf gerichtet ist und dies bewirkt hat, so ist ihr
Interesse an der Sache vollständig erschöpft. Der Gemein-
schuldner aber hat an sich noch andere Interessen, als bloß
die aus Befriedigung der Gläubiger gerichteten. Muß diese
der Konkursverwalter absichtlich ignoriren, darf er sie nur
so weit berücksichtigen, als sie mit denen der Konkursgläubiger
sich berühren, so handelt es sich aber nicht mehr um eine
Vertretung bloß im Interesse, sondern im Rechte der
Konkursgläubiger, und der Konkursverwalter wäre danach nicht
sowohl Vertreter des Gemeinschuldners, als vielmehr Vertreter
der Konkursgläubiger. Wenn er aber das letztere nach
Pe tersen nicht sein kann, so läuft dessen Theorie doch nur
auf eine Verschleierung der V ö l d e rn d o rff 'schen Theorie vom

18) Zeitschr. für den deutschen Livilprozeß, Bd. 17 S. 183.

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