Full text: Volume (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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justinianischem Rechte der Besitz etiam ignoranti durch jede
libera persona erworben werden kann.
Vom Standpunkte des justinianischen Rechts ist unter
procurator jeder Bevollmächtigte zu verstehen, und dessen
Mandat muß nicht auf Besitzerwerb gerichtet sein. Jeder, der
zur Herstellung der eansa des Besitzerwerbs bevollmächtigt
ist, kann nach justinianischem Recht Besitz für den Mandanten
erwerben, eorpore und animo. So ist hierzu der Einkauf-
kommissionür befugt, mag sein Auftrag die Anschaffung einer
Spezies oder einer Quantität vertretbarer Sachen zum Gegen-
stand Habens.
Hat aber einmal der Prokurator Besitz für seinen Herrn
erworben und behält er die Sache für ihn, dann ist er „in
possessione" und übt den Besitz neben oder für den Herrn aus:
L. 9 D. h. t. (Gaius 354):
Generaliter quisquis omnino nostro nomine sit in
possessione, veluti procurator . . . nos possidere videmur.
Der Herr ist Besitzer, der Prokurator Detentionsgehilfe
oder Detentor geworden1 2).
* *
*
Auch die Zeit, in der die Befugnis des Vormundes
entstand, für seinen Mündel als dessen Stellvertreter Besitz
zu erwerben, darf nicht allzufrüh angesetzt werden. Dagegen
spricht schon die Erweiterung der Möglichkeit, daß der Minder-
jährige, impubes und infans, durch eigene Handlung erwerbe,

1) Siehe Grünhut, Das Recht des Kommissionshandels
431 ff., Langen, Eigentumserwerb und -Verlust bei Kommissions-
geschäften 60 Anm. 1; Köhler, Zur Entwicklung der Stell-
vertretungslehre, in ZBerglR. 27, 245 ff.
2) Dazu 1. 1 § 22 D. de vi et de vi arm. 43, 16 (Ulpian. 1524);
Lenel, Stellvertretung und Vollmacht, in JheringsJ. 36, 83ff.,
auch Jhering, Der Besitzwille 109ff. Siehe weiter unten.
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