Full text: Volume (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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sicuti servatur, cum maritus uxori donaturus debi-
torem suum iubeat solvere: nam ibi quoque, quia nummi
mulieris non fiunt, debitorem non liberari, sed exceptione
eum adversus maritum tuendum esse, si condictionem,
quam adversus mulierem habet, praestet.
Denn indem Celsus mit der Durchgangstheorie Ernst
macht und die Sache so ansieht, daß zuerst pecunia ad te a
debitore tuo, deinde a te ad mulierem perveniret, nimmt
er selbstverständlich auch an, daß die Ehegattin zunächst für
den Ehemann und dieser für sich selbst den Besitz an den
Geldstücken erwerben wollet). Julian aber würde in einer
solchen Annahme eine Fiktion finden. Denn allerdings liegt
die causa der Leistung, wie die ihrer Annahme, im Ver-
mögen des Gläubigers, da er ja den Schuldner befreien
und der Ehegatün schenken will. Aber mehr und anderes
will er für sich selbst in Wahrheit nicht. Damit er den
Schuldner befreie und der Ehegattin schenke, will er, daß der
Schuldner an die Ehegatün zahle und diese aus dessen Hand
empfange, daß also mit dem Besitz Eigentum vom Schuldner
auf die Ehegatün übergehe. Die Ehegatün ihrerseits will,
da sie die Schenkung annimmt, für sich erwerben, allerdings
als eine Vermögenszuwendung des Ehemannes, aber aus
der Hand des Schuldners. Könnte dieser Erwerb geschehen,
1) Siehe Scheurl, Zur Lehre vom Besitzrecht 115f.; Klein,
Sachbesitz und Ersitzung 19 Anm. 41. Daß Celsius hier an einen
Besitzerwerb des Gläubigers vermittelst seiner Ehegattin denke, ist
allerdings bestritten, vergleiche über diese Streitfrage und deren
Literatur Roh de, Studien im Besitzrecht Abschnitt IX S. 36 ff.
Gegen die Meinung Roh des, der Gläubiger erwerbe Besitz un-
mittelbar vom Schuldner vor Empfangnahme der Ehegattin, spricht
unter anderem die Bemerkung des Celsus: „nee novum aut mirum
esse, quod per alium accipiae, te accipere“, und auch das Beispiel
am Schluffe der 1. 3 § 12 cit., die beide auf einen Besitzerwerb durch
einen anderen Hinweisen.

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