Full text: Volume (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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emtor rem *), wenn nicht der Satz: „in cuius—emptorem“
als interpolationsverdächtig besser außer Betracht bliebe1 2 3).
Allein keinesfalls genügt die Erwägung, die Rümelin für
die Entscheidung anführt und die viele Anhänger zählt 4 5).
Nach Rümelin soll nämlich schon die Tatsache der Ver-
steigerung ausreichen, die Gültigkeit des mit sich selbst kontra-
hierten Kaufs zu rechtfertigen. Der so kontrahierte Kauf des
Vertreters — sagt er — sei verboten gewesen, weil der römische
Verkehr keinen Normalpreis kannte, daher die Uebervorteilung
des Vertretenen leicht möglich war. Bei einer öffentlichen
Versteigerung hingegen sei der Vertretene hinreichend geschützt
gewesen. Allein gegen diese Erwägung spricht der Umstand,
daß auch eine Versteigerung den Mündel keineswegs vor
Uebervorteilung schützt, wenn es der Vormund ist, der die
Versteigertlng veranstaltet und selbst mitbietet. Darauf weist
die Stelle selbst hin, indem sie auf einen dem Minderjährigen
schädlichen Verkauf Bedacht nimmt. Das aber, nämlich daß
der Kauf des Vormunds im konkreten Falle dem Mündel
nicht schadet, ist die einzige Erwägung, von der Paulus hier
ausgeht, wenn man den ganzen Passus: „in cuius opiniouem
decursum est, quod deterior causa pupilli non fit, si
propius habet emptorem“ außer Betracht läßt 6). Der
1) Die Emendation Adlers weist Pernice a. a. O. Anm. 3 a. E.
als „diplomatisch unmögliche Konjektur" zurück. Allein diplomatisch
unmöglich könnte wohl nur ,,xotius" erscheinen. Dagegen wäre
„emptor rem" nicht nur diplomatisch möglich, sondern würde (auch
in Verbindung mit der Lesart der Vulgata) einen klaren und sehr
zutreffenden Sinn ergeben.
2) Siehe Beseler, Beiträge zur Kritik der römischen Rechts-
quellen 2, 94.
3) Rümelin, Das Selbstkontrahieren des Stellvertreters 209ff.
4) Siebert a. a. O. 54; Böckelmann a. a. O. 19; Hupka
a. a. O.
5) Siehe Anm. 2.

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