Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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hievten Ankauf von Mündelgut nicht befugt sei, dann hat er
auch nicht den mit sich selbst kontrahierten Auktionskauf des
Vormunds, auch den Handkauf nicht, als gültigen Eigentums-
erwerbsgrund ansehen können.
Deshalb wird von anderer Seite behauptet, daß es sich
in 1. 2 §81). eit. nicht um einen mit sich selbst kontrahierten
Auktionskauf, sondern um den Ankauf in einer von einem ge-
werbsmäßigen Auktionator abgehaltenen Versteigerung handle *).
Insbesondere beruft sich Pernice auf die Ausführungen
Mommsens über die Rolle der öffentlichen Versteigerung
im römischen Geschäftsverkehrs. Darnach sei nicht der Vor-
mund, sondern der Argentarius als Versteigerer aufgetreten;
dieser sei der Gegenkontrahent des Vormunds gewesen, habe die
Rechte und Verbindlichkeiten aus dem Kaufgeschäfte erworben
und es sei „also eine theoretisch ganz verkehrte Feinheit, wenn
man den Vormund als Bieter ausschließen will". Dieser
Auffassung stehe nicht entgegen, daß es — wie oft eingewendet
wurde — in 1. 2 § 8 eit. vom Vormunde heiße: „si alii
minoris addixisset.“ Denn es sei ein verbreiteter Sprach-
gebrauch, das durch eine Mittelperson handelnde Subjekt als
selbsthandelnd zu bezeichnen, wie etwa in 1. 6 § 5 D. de his
qui not. 3, 2 (Ulpian. 283): „mandati te si condamnavero,
famosum facio.“ Gegen die letzte Bemerkung Pernices
könnte allerdings eingewendet werden, daß gerade der zitierte
Passus aus I. 6 § 5 nicht klassisch sei, wie Eisele unter
Zustimmung Pernices nachgewiesen hat 3). Allein trotzdem
1) Siehe Bechmann, Der Kauf 2, 292f.; Lepa, Der Selbst-
eintritt des Kommissionärs 148 f.; Pernice, Labeo 1 2 Bd. 2 1, S. 475 f.
2) Mommsen, Die Pompeianischen Quittungstafeln des L.
Caecilius Iucundus in Hermes 12, 91 ff.
8) Eisele, Beiträge zur Erkenntnis der Digesteninterpolationen,
in der ZRG(R). 11, 14f.; Pernice, Labeo« Bd. 2, 2, S. 223 Anm. 2;
siehe auch Alitandi, Opere 1, 408.

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