Full text: Volume (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

241

der zufolge Irrtums vorgenommenen Tradition und nicht die
Wirkung des Irrtums auf die causa traditionis in Betracht.
Deshalb hatte wohl Ulpian beim Hinweis auf Julian nicht
diese Stelle im Auge und ist vielmehr anzunehmen, daß Julian
in einem anderen Zusammenhang den Dissens über die causa
donandi und credendi und dessen Wirkung auf das Zustande-
kommen der donatio behandelt habe *). In dieser Stelle aber,
nämlich in der soeben angeführten I. 36 D. 41, 1, setzt Julian
allem Anscheine nach1 2 3) die Ungültigkeit sowohl der Schenkung
als auch des Darlehens voraus^). In dieser Hinsicht also,
nämlich bezüglich der Wirkung des Irrtums auf die causa
traditionis, hat daher wohl kaum eine Meinungsverschieden-
heit zwischen Julian und Ulpian bestanden. In anderer Hin-
sicht scheint allerdings eine Meinungsverschiedenheit zwischen
ihnen bestanden haben. Darauf scheinen die beiden angeführten
Fragmente von Ulpian und Julian zu deuten. Wenn aber
eine Meinungsverschiedenheit tatsächlich bestanden haben sollte,
so bezog sie sich auf die dingliche Wirkung der zufolge Irrtums

1) Siehe Huschte, Dissens über die eausa traäitiouis,
ArchZivPrax. 62, 323; vgl. auch Lenel, der in der Palingenesie
dem Julianfragmente den Hinweis Ulpians anfügt, wodurch der
Hinweis allerdings unter die Marginalrubrik „kldueiae vel contra“
kommt.
2) Denn Julian behandelt den Dissens des zweiten Satzes als
Analogie zu dem Dissense, den er im ersten Satze erwähnt, und hier
ist wohl nicht zu bezweifeln, daß Julians Annahme dahin geht, es
bestehe weder die Schuld ex testamento noch ex stipulatu, siehe
Strohal a. a. O. 366f.
3) Damit erklärt es sich, daß Ulpian bloß auf eine Aeußerung
Julians über das Nichtzustandekommen der Schenkung hinweist, und
erledigen sich die Bedenken, die Eisele a. a. O. 14 gegen die An-
nahme rege macht, daß Julian sich über das Nichtzustandekommen
des Darlehens nicht geäußert habe.
LXII. 2. F. XXVI.

16

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer