Full text: Volume (Bd. 62 = 2.F. 26 (1913))

Fragen der Besitzlehre.

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Donatarum rerum a quacunque persona infanti vaeua
possessio tradita corpore quaeritur, quamvis euim 8iut
auetorum 8euteutia6 dissentientes, tameu consultius vi-
detur interim, licet animi plenus non fuisset adfectus* 1 2),
possessionem per traditionem esse quaesitam: alioquin,
sicuti viri consultissimi Papiani responso continetur, ne
quidem per tutorem possessio infanti poterit adquiri.
Die Meinung, daß hier bei der traditio der vacua
possessio die auctoritas tutoris vorausgesetzt werde, ist nicht
mehr herrschend. Jetzt wird vielmehr in dieser Stelle die Be-
sonderheit gefunden, daß der infans auch ohne auctoritas
des Tntors den Besitz erwerben könne. Das ist richtig.
Welcher Art jedoch diese Besonderheit sei, ob sich in ihr eine
Regel oder eine Ausnahme ausspreche, ob insbesondere die
Ausnahme aus Schenkungen oder aus Tradition sich beschränke,
ist sehr bestritten. In diesem Meinungsstreite haben die sich
Bekämpfenden zwar gegenseitig gründlich sich widerlegt, aber
von keiner der Erklärungen wird man behaupten können, daß
sie restlos die Stelle erledige^). Und dennoch wäre eine be-
Besitzrecht 124ff.; Klein, Sachbesitz und Ersitzung 462 bei und in
Anm. 104; Hölder a. a. £).; Goldschmidt, a. a. O. 112 bei und
in Anm. 2 und 3; Perozzi, Deila tradizione 79ff.; Alibrandi,
Teoria dei possesso secondo il diritto romano, in Opere giuridiche
e storiche 276f.; Kniep, Der Besitz 65ff.; Peters, Generelle und
spezielle Aktionen, in der ZRG(R). 32, 204 f.
1) Gegen „interim—adfectus“ äußert Kniep Interpolations-
Verdacht; eine Begründung führt er nicht an.
2) Dies gilt auch von der jüngsten Erklärung Hölders. Diese
geht davon aus, daß es sich um einen willensfähigen, d. h. einen
infans handle, der den Willen hat, nicht nur die Sache momentan
zu ergreifen, sondern auch festzuhalten. Ein solcher infans könne
selbständig den Besitz erwerben. In 1. 3 0. eit. sei von geschenkten
Sachen die Rede, damit von etwas auch dem Kinde Verständlichem;
von einem „corpore quaeri“, also von einem durch reale Ergreifung
sich vollziehenden Erwerbe; „interim“ bedeute hier wie in 1.48 pr.

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