Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

Literatur.

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muß, daß bei der Mehrzahl von ihnen dennoch exceptio non nocet; (tigna,
lapides, tabulae navis, partus.)
Gilt es, sich dem gegenüber für eine andere Erklärung zu entscheiden
so scheint die Savigny'sche, schon von der Glosse angedeutete, immer
noch den Vorzug vor allen andern zu verdienen. Die Streichung des ncn
vor noceat ist bei der Gleichheit der beiden Anfangsbuchstaben weniger be-
denklich, als es scheint. Nur dadurch ferner kommt in die ganze Stelle
Harmonie. Dann kann man die in §. 1 klar ausgedrückte Entscheidung (in
bis exceptio nocet) als solche, anerkennen; von dieser wird dann in §. 2
mit den Worten „sed in caementis diversum est“ eine einzelne Ausnahme
ausgestellt, und demnächst in §. 3 die quaestio de fructibus übereinstimmend
mit der bereits getroffenen Entscheidung de partu (eadem est ac de partu)
gelöst. Die oft hiergegen geltend gemachten Worte: „baec enim nondum
erant“ u. s. w. stimmen dazu sehr gut. Sie bedeuten: „beide Gegenstände
nämlich waren damals noch nicht selbstständig", (sonst könnte freilich die
exceptio nicht Platz greifen), „sondern sind erst aus der Sache hervorge-
gangen, welche eingeklagt war;", (daher steht dem Anspruch auf sie die Ein-
rede allerdings entgegen). Endlich ist es gewiß noch ein Grund mehr gegen
das non, daß dasselbe auch vielen Anhängern der entgegengesetzten Theorie
Schwierigkeiten bereitet; nämlich allen, die da annehmen, daß ein aberkannter
Anspruch (hier das Eigenthum an der Muttersache) auch nicht mehr als Vor-
aussetzung eines andern (hier desjenigen auf die Früchte) vorgebracht
werden dürfe, (Windscheid Aktiv S. 97). Dagegen ergiebt die Streichung
des non für diese sowohl als für uns noch den gemeinsamen Gewinn, daß
die lex dann ihrem Wortlaut entsprechend nicht mehr bloß auf Früchte, die noch
während des Prozesses abgetrennt sind, sondern auch auf die erst nach Fällung
des Urtheils separirten zu beziehen ist, — für welche letzteren ja das exceptio
non nocet nach beiden Standpunkten unpassend wäre. —
Was die andre gegen die Theilnatur der Erzeugnisse ins Feld geführte
Erscheinung der Furtivität (Seite 198—218) anbetrifft, so gelten, wie be-
kannt, Kinder einer gestohlenen Sklavin als furtiv und unersitzbar, wenn sie
noch apud furem konzipirt, Früchte dagegen, (streitig, ob auch Thierjunge),
nur dann, wenn sie daselbst auch noch separirt worden sind. Die Theorie
von der Separation als Entstehung einer neuen Sache sieht letzteres als
regelrecht, ersteres dagegen als eine ausnahmsweise Ausdehnung der Furti-
vität an, für die es an einer befriedigenden Erklärung fehlt. Nach der Theil-
theorie dagegen — scheint es — müßte eigentlich die Furtivität in beiden
Fällen noch weiter erstreckt sein: nämlich auf alle, — sei es auch apud bo-
nae fidei emtorem entstandene — Erzeugnisse. Und in der That soll dies
nach Göppert wenigstens von den älteren Juristen (Sabinus und Cassius,
arg. 1. 4 §. 17 D. de usurp. 41, 3) für partus ancillae angenommen
worden sein. ' Später indessen— meint Göppert — sah man das vitium
furti nicht mehr als so elastisch an, daß es sich auch noch auf die nach der
Deliktszeit empfangenen Knder hätte erstrecken können; und.bei Früchten ging
man gar noch einen Schritt weiter, indem man, um das Fruchtrecht des bo-
nae fidei possessor nicht zu Vereiteln, auch die bei ihm nur separirten Früchte,
selbst wenn sie noch beim Diebe entstanden waren, von der Furtivität frei
machte. — Dieser Ausführung kann man in allem Wesentlichen beitreten.
Zeitschr. f. Gesetzgebung «. Rechtspflege V. 51

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