Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

76 p., ' Literatur.
ebenso mag heute analog auch noch, hinsichtlich anderer Gegenstände (z. B.
des' Ladestocks 4m. Verhältniß zum Gewehr) zu entscheiden sein. Allem darin
darf doch immer höchstens eine Auslegungsregel gefunden werden, an die der
Richter nur so lange gebunden ist, als im gegebenen Falle nicht ein anderer^
Parteiwille erhellt. In einer solchen aber liegt kein ausreichender Grund,'
um. ejne besondere Lehre von den Pertinenzen und deren objektivem Verhält-
niß zur Hauptsache aufzustellen, — Nicht zu verwechseln mit der Pertinenz
ist, übrigens, chie Göppert richtig ausführt (S. 73—80) die r'„3'üga6eay
welche in den Duellen ebenfalls accessio genannt wird, d. h!' ein' pchhsifch-
selbstständiger, Gegenstand, welcher Kraft besonderer Vereinbarung zugleich mit'
und neben einem andern zu gewähren ist, ohne doch für diesen dauernd be-?
stimmt und. an und. für sich werthlos zu seni. ''Äii dieses Verhältniß kann durchs
Parteiwillen jeder Gegenstand zu jedem andern gebracht werden, (denkbar selbst'
fundus accessio tunicae 1. 44 pr. D. de aed. ed. 21, 1); rechtlich liegt
aber immer nur ein einziges Geschäft, und zwar über die Hauptsache vor,
so daß nach deren Untergang auch die Zugabe nicht mehr zu fordern ist/
Das bekannteste, Beispiel einer Zugabe bietet raum cum ‘ vasis, ; -V 'nbir
quia pars' sunt vini vasa, — — sed qüiä—- voluerit accessioni esse vino
amphoras 1. 3 §. 1 D, de trit. leg. 33, 6: wie ja auch heute noch bei
kostbaren Weinen die Flaschen als Zugäbe gewährt zu werden pflegeüj ^nicht
aber bei. geringeren, so daß man von einer Pertinenzqualität der Flaschen nicht
reden, darf.. ■■ ■' '■ ' ■ ^
Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß diese Beseitigung der Per-
tinenzlehre für das Römische Recht die Germanisten in' keiner Weise hindert/
auf Grund altdeutscher und moderner Anschauungen den Pertinenzbegrisf fort-
oder richtiger umzubilden. Sowohl das ältere deutsche Recht, als die'neueren
Gesetzbücher kennen mannigfache Anknüpfungen von Rechten' an Sachen und^vön
Sachen an Rechte (ß. 67 ff. A. L.-R. I. 2), welche den Römischen Düelleü
fremd sind. Dieselben Haben auch nicht bloß die Bedeutung eines Jnter-
pretaticnsmittels für den Parteiwillen, sondern stehen zum Theil geradezu über
demselben. Von diesem Gesichtspunkt wäre' eine dogmengeschichtliche''EM
Wicklung der Pertinenzlehre überaus wünschenswerth, die dann aber aus die
Stütze römischer Citate verzichten müßte. (Vgl. D ernb ur g Preuß. Priv.-R:
I. §. 62.) ^ ^ ' ■' ' '■ - ' r :
Wenn nach dem bisher Gesagten aus dem Kreise der Nebensachen Be-
standtheile und Pertinenzen ausscheiden, so bleiben darin, nur sepchnrte Ep-
zeugniffe, der Schatz, die Insel und das derlassene Flußbett, ' Aber auch bei
diesen Gegenständen läßt sich''ein ihnen gemeinsamer Grund zu einer'gleicht
artigen Behandlung als „ Nebensachen" nicht erkennen. Ist nun'' trotzdem
eine solche, wenn auch bei den einzelnen aus verschiedenen Gründen/im Rom'.
Recht beliebt worden? In'zwei Punkten — so führt Göppert'äusE
stellt die' noch, jetzt herrschende Ansicht' für partus, fructus''irati jene Übrigen
Nebensachen als solche gemeinsame Rechtsregeln ans: nämlich beim Eigen-
thumserwerb durch accessio und bei der Verpflichtung,' mit ded Hauptsache
gstch die Nebensachen'herauszugeben, Allein in beiden Punkten nnt Unrecht.
WaS zunächst den Eigenthumserwerb :per' accessionem angeht, so cht
die Lehre von demselben, wie bekannt^ neuerdings"durch Bechmann uut Er-
folg'angegriffen'worden', und den! Ergebnissen' "dieses Angriffs tritt un Ganzen

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