Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

670 Göppert: Das gegenwärtige Berhältniß
barem Sinne. An Erklärungen durch Fetzen aus Motiven und Proto-
kollen würde es freilich auch in Zukunft nicht fehlen.
Es ist aber auch an einen in größerer Nähe uns bedrohenden Nach-
theil zu erinnern, -' an den Einfluß, welchen der Fortgang der jetzigen
Jsolirung der Fakultäten auf die Ersprießlichkeit ihrer Lehrthätigkeit
ausüben muß. Schon jetzt, glaube ich, ist unser Unterricht zu einseitig
abstrakt und dogmatisch geworden. Ich halte es für höchst wünschens-
werth, daß neben die systematischen Vorträge wieder wie in alter Weise
praktische Uebungen in nicht geringem Umfange gesetzt werden. Das
allmälige Erlöschen derselben hängt unzweifelhaft zusammen mit den
übrigen Erscheinungen, welche ich bisher als Folge der unrichtigen Ent-
wicklung unserer Situation bezeichnet habe. Aber auch die dogmatischen
Lehrvorträge werden durch dieselbe einen immer abstrakteren, über den
konkreten Dingen schwebenden Charakter erhalten, wie die Literatur,
und der Mangel eines Zusammenhangs zwischen dem Studium auf der
Universität und der neuen Thätigkeit des in die Praxis eintretenden
jungen Juristen wird sich diesem immer fühlbarer machen. Die Vor-
stellung, das Triennium sei verlorene Zeit, ist die natürliche Folge da-
von, und sie wieder ist nicht selten der erste Schritt zu jener Nicht-
achtung der Wissenschaft und zu jener Abkehr von geistiger Auffassung
des Berufs, die schon jetzt verbreiteter sind, als man es sich selbst gern
gesteht. Um so weniger wird man hoffen dürfen, in einer wissenschaft-
lichen Praxis ein Korrektiv gegen die unpraktische Wissenschaft zu er-
halten.
Die vorgeführten Betrachtungen sind nicht erfreulich; aber sie müssen
angestellt werden, damit die Heilung des wachsenden Schadens nicht unter-
bleibt, die sehr wohl möglich ist. Wie ich mir den Weg dazu denke,
habe ich hinreichend angedeutet. Aufmerksam machen muß ich aber
noch auf das Ungenügende anderer sich in umgekehrter Richtung be-
wegender Vorschläge. Zunächst denkt man . wohl daran, die Universitäts-
stellen direkt aus dem Kreise der Praktiker zu besetzen. Dies wird in
einzelnen Fällen, nie jedoch als Regel ausführbar fein; denn, um vor-
weg dies äußerliche Moment anzusühren: je abstrakter die Position des
Universitätslehrers sich gestaltet, desto weniger werden Persönlichkeiten
sich bereit finden, sie einzunehmen, welche an die rege Bethätigung im
Gerichtsleben gewöhnt sind. Außerdem würde dieser Weg nur möglich
sein mit dem Umsturz der bisherigen Universitätseinrichtungen und mit
dem Verzicht auf den Nutzen, welcher für die wissenschaftliche Ausbil-
dung gerade durch die frühzeitige Konzentrirung auf das bestimmte

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