Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

Gareis: Modernes Genossenschafts- und Gesellschaftsrecht. 627
manditgesellschaft erwähnten Möglichkeit, ein Direktions- oder Verwal-
tungsrathsmitglied als persönlich hastend z^u ernennen, enthält das merk-
würdige Gesetz von 1867 hauptsächlich noch folgende Bestimmungen:
eine beschränkt haftende Gesellschaft kann das ihre Kreditbasis bildende
Kapital durch einen besonderen Beschluß reduziren (Art. 9); um. den
Gefahren dieser Maßnahme für die Gesellschaftsgläubiger vorzubeugen,
sind eine Reihe von Kautelen angeordnet (Art. 13, 14, 17, 19), ins-
besondere gerichtliche Bestätigung (nach vorgängiger Untersuchung), Re-
gistrirung und gehörige Publizirung (Art. 9, 11 u. 12) jener Reduktion,
und bestimmt, daß die Firma einer von dieser Befugniß Gebrauch
machenden Gesellschaft mit den Worten enden muß: „limited and re-
duced“. (Art. 10.) Den limitirten Gesellschaften ist ferner gestattet,
ihre Aktien zu theilen (Art. 21, 22), den nicht auf (eigenen) Gewinn
abzielenden, sondern nachgewiesenermaßen „zur Förderung von Handel,
Kunst, Wissenschaft, Religion, Wohlthätigkeit oder zu einem andern
nützlichen Zwecke" gegründeten ist sogar erlaubt, den Zusatz „limited“
in der Firma nicht zu führen (Art. 23) — eine entweder nicht noth-
wendige oder positiv verwerfliche Bestimmung. Zweckmäßig wird da-
gegen die prinzipielle Verbindlichkeit der Aktionäre den Betrag der
Aktie baar einzuzahlen statuirt (Art. 25), während andererseits Art. 27
erleichternd verfügt, daß Aktiencertifikate (über Aktien und Stockantheile)
auf den Inhaber gestellt und dadurch faktisch Inhaberaktien eingeführt
werden können. (Art. 28 flg.) Endlich sind ausführliche Normen hin-
sichtlich der Liquidation (winding-up) der limitirten Gesellschaften ge-
troffen. (Art. 40 flg., s. Mittermaier a. a. O. S. 48.)
Viel früher als in England emanzipirte sich in Frankreich die
Kapitalassociation von der persönlichen Haft, später aber als dort von
der staatlichen direkten Beaufsichtigung, ja Mitleitung. Unter letzterer
wurden in Frankreich die ersten Aktiengesellschaften, die Compagnie des
Indes occidentales (1628) und die des Indes orientales (1664) ge-
gründet und die große Mifsissippi-Gesellschäft (1719) ihrem unheilvollen
Ende zugeführt. Unter dem Schutze des Octroy wurde der unglaub-
lichste Schwindel ungestraft getrieben und es scheint fast, als habe man
die Kapitalassociation gar nicht für eine privatrechtliche Einrichtung,
sondern für einen besonderen Zweig staatlicher Wirksamkeit, für eine
vom König geschaffene produktiv sein sollende Staatsanstalt gehalten.
Wenigstens erwähnte die Ordonnance du commerce vom März 1673,
die Grundlage des Französischen Handelsrechts, die Aktienvereine gar
nicht, vielmehr bloß die societe geniale (offene Handelsgesellschaft) und
die societe en commandite; die Theorie des 17. Jahrhunderts verstand

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