Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

612 Gareis: Modernes Genossenschafts- und GeseLschaftsrecht.
„zur Form der Aktiengesellschaft Hinneigen, um allen Theilnehmern eine
gleiche Stellung zu sichern und um dem Patronat zu entgehen." Aber
wenn die genannten Kommentatoren den Arbeitern dagegen zurufen:
„c’est une erreur!“ und ihnen dagegen die Vorzüge der Solidarhast in
warmen Worten empfehlen,^) — so irren sie selbst, wnen sie glauben,
mit der Societö en nom collectif könnte das erreicht werden, was die
auch von ihnen gepriesenen Schnlze-Delitzsch'schen Associationen errungen
haben. Zwar sollte der III. Titel des Gesetzes vom 24. Juli 1867,
der nun die Ueberschrist trägt: Disposition particulieres aux societes
ä capital variable, dem Regierungsvorschlage gemäß die vielversprechende
Firma führen: „Des soeiötes de coop6ration“, — auch das wäre, ge-
linde gesprochen, „une erreur" gewesen, weniger verzeihlich, als der
Vorzug, den die Arbeiter dem Aktienverein geben. Wählt der Arbeiter
oder Kleingeschäftsmann eine Gesellschaftsform mit veränderlichem Ka-
pital, so fällt der mächtigste Sporn der Vorsicht und Umsicht, der stärkste
moralische Hebel im Wirthschaftsleben, — die persönliche und solidarische
Hast — weg und wählt er mit oder ohne Variabilität des Kapitals
die Societe en nom collectif zu seiner Associtiation, so machen sich alle
oben besprochenen, zunächst theoretischen Unterschiede der solidarisch haften-
den Genossenschaft und der offenen Handelsgesellschaft ungemein prak-
tisch geltend und werden zum Nachtheile der assoziirten Kleinkapitalisten
und Arbeiter schmerzlich fühlbar. Indem die genannten Französischen
Kronjuristen dieß Alles gründlich übersehen, erwarten sie alles Heil der
Französischen Gesellschaft von dem Gesetze von 1867 und schließen sie
ihren Kommentar mit einem preisvollen Hinweis auf — schon sobald
darnach gänzlich über den Hausen geworfene — politische Verhältnisse.^)
Nur für die auf Gegenseitigkeit gegründeten Versicherungsgesell- '
schäften enthält das Französische Recht besondere Normativvorschriften
Dieselben sind enthalten in dem kaiserlichen Dekret vom 22. Jan. —
18. Febr. 1868, dessen zweiter Titel die „Societes d’assurances mutuelles“
in sechs Abschnitten behandelt. Da jedoch durch die Statuten die Höhe
der Einzahlungen zu sixiren, jedenfalls die Solidarhast nicht wesentlich
und, wie es scheint, hier auch nicht gebräuchlich ist (Art. 29 des cit.
Dekrets), so ist an dieser Stelle nicht weiter hievon zu sprechen. —
Für Frankreich sind noch die (meist unbedeutenden) Societes de

5)) ebenda, p. 345.
52) „ . . . Tel a et4 le but, et teile sera, nous en avons le ferme espoir,
l’iufluence de la loi nonveile. L’avenir n’y verra pas Tune des moindres mani-
festations de cotte pensee que tant d’institutions affirment et qu’un mot peut cx-
primer; Tempire democratiquo et liberal,“ (!) Revue critique a. a. O. S. 351.

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