Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

584 Gareis: Modernes Genossenschafts- und GesellschastSrecht.
natürliche Personen zu knüpfen pflegt, auf die Mit bloßem Personal-
kredit operirenden Associationen prinzipiell keine Anwendung zu leiden
scheint, kommen ebensolche Vereinigungen doch auch mit Attributen
juristischer Personen von ganz unzweifelhaftem Charakter vor; sie haben
sehr häufig nicht bloß volle persona standi in judicio, erwerben für
sich Grundeigenthum wie jedes andere Vermögen, sondern können auch
„Korporationsrechte" überhaupt erlangen, haben die Theilungsklage in
sich ausgeschlossen u. s. w., ja einzelne derartige Associationen sind
nach manchen Rechten ausdrücklich das, was wir Korporation, eine
juristische oder moralische Person nennen. So nach dem englischen
Recht die unlimited Company (unbeschränkt haftende Personengesellschaft,
Art. 10 und 18 der Comp. Act. 1862), welche durch die Registrirung
in der Weise Korporationsrechte erwirbt, daß „die Unterzeichner des
Associations-Memorandums nebst denjenigen Personen, die später von
Zeit zu Zeit Mitglieder'der Gesellschaft werden, eine Corporation (doäy
corporato, juristische oder moralische Person) unter dem im Associations-
Memorandum enthaltenen Namen sind, sofort fähig, alle Funktionen
einer inkorporirten Gesellschaft auszuüben" u. s. w.") Aehnliches gilt
nach der krovid. 8oc. Act. 1862 (Art. 5) für Gewerbs- und vorsorg-
liche Gesellschaften. (In Betreff der juristischen Natur der Genossen-
schaften ist der von Stobbe, Deutsches Privatrecht, 1871, 60,
Note 4 züsammengestellten Literatur noch beizufügen: Rosenthal,
Die Kredit-, Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschaften. Freienwalde
bei O. Fritze. 1871. S. 34 ff., der die Genossenschaft für eine ju-
ristische Person, und zwar Korporation (vgl. S. 12) hält.)
Wenn andererseits Rechte und Verbindlichkeiten an etwas Anderes
als an eine physische Person geknüpft sind, an einen Güterkomplex, der
zu irgend einem Zwecke oder aus irgend einem Grunde abgefchloffen und
in sich vereinigt ist, so liegt ein Verhältniß vor, welches die Theorie
durch die künstliche Personifikation des Güterkomplexes oder des. Zweckes
oder durch eine besondere (sachenrechtliche) Stellung jenes Güterkom-
plexes als eines besonders charakterisirten „Zweckoermögens" zu erklären
bemüht ist.") Man geht hierbei soweit, daß z. B. Wittes sagt:
Sobald man Gütern, die für einen bestimmten Zweck vereinigt werden,
die Selbstständigkeit zuschreibt, daß sich an sie Ansprüche und Verbind-
lichkeiten anknüpfen, daß sie berechtigt sind und verpflichtet werden können,
)3) Vergl. Keyßner in Goldschmidts Zeitschr. Bd. VII S. 550 ff.
M) s. Brinz, Pandekten, 1868, §. 226 fg. und die dort cit. Literatur; ferner
Baron, Pandekten, 1870. §. 29 fg.
") Goldschmidts Z. Bd. VIII. S. 8.

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