Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

516 Endemann: Die Haftpflicht der Eisenbahnen, Bergwerke re.
Auch das erscheint gleichgültig, ob die Verleihung direkt von dem
Geschäftsherrn oder von einem nach der Einrichtung des Geschäfts dazu
berufenen Unterbeamten erfolgt ist. Ebensowenig kommt es auf aus-
drückliche Vollmachtsertheilung oder deren Form an. Unzweifelhaft kann
im Sinne dieses §. 2, wie nach allgemeinen Rechtsregeln, die Vollmacht
stillschweigend, namentlich durch die Anstellung, ertheilt werden.
Vergegenwärtigt man sich dies Alles, so erhellt, daß so ziemlich
ein Jeder, der mit dem Willen des Unternehmers in dem Etablissement
dergestalt thätig ist, daß er nicht blos ausführender Arbeiter, sondern
irgendwie anzuordnen, zu befehlen, zu beaufsichtigen oder zu leiten be-
rufen ist, durch den Begriff des „Bevollmächtigten" gedeckt wird. Bei
einem so weiten Ausdruck, dessen Sinn eigentlich nur durch die eben
erwähnte Negation begrenzt wird, hätte es kaum noch einer weiteren
Zufügung bedurft.
Warum daneben noch
bb. der „Repräsentant" erwähnt wird, läßt sich am wenigsten
erkennen. Man mag nicht gern annehmen, daß dem mitten zwischen
die anders gearteten Ausdrücke: „Bevollmächtigter" und eine „zur Lei-
tung — angenommene Person" gestellten Wort „Repräsentant" etwa
eine besondere technische Bedeutung, nemlich diejenige, mit welcher in
der Industrie und dem Handel eine eng bestimmte Klasse von Leuten
als Repräsentanten'^) bezeichnet werden, beigelegt worden sei. Reprä-
sentant heißt sonst so viel, wie Stellvertreter. Dieser ist aber, in-
sofern aus der Vollmachtsertheilung eine Stellvertretung entspringt,
bereits unter dem „Bevollmächtigten" mitbegriffen. Bei dem außer-
ordentlich dehnbaren Sinn der Bevollmächtigung, der eben kein anderer
ist, als der der „Beauftragung" im weitesten Sinn, läßt sich kaum noch
ein Fall denken, für den die besondere Erwähnung des Repräsentanten
von Werth wäre.
66. Die zur Leitung oder Beaufsichtigung des Betrie-
bes oder der Arbeiten angenommene Person steckt nicht min-
der schon unter dem Bevollmächtigten. Denn wenn sie zu jenem Zweck
angenommen wird, erhält sie auch soweit Vollmacht. Ob man vielleicht
an den, rechtlich sicher gleichgültigen. Gegensatz von mehr oder minder
definitiv angeltellten und nur vorübergehend engagirten Leuten gedacht
hat? Die Motive bemerken nur, daß die Worte dem Preußischen Berg-
gesetz §. 74 entlehnt und daß auch sie wieder im weitesten Sinn auf-

l8) S. v. Hahn, Komm, zu Art. 272 des H.-G.-B. 8. 18 Nr. 3; Ende-
mann, H.-R. §. 163 Not. 9.

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