Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

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Miscelle».

den Zweck des Prozesses zu finden und bei diesem Streben habe ich, so viel
mir bewußt, nicht die Grundgedanken des jetzigen Altpreußischen Verfahrens
als zweckmäßig gefunden. Das Gegentheil könnte in beiden Beziehungen
nur mir unbewußt der Fall gewesen sein. Doch würde ich auf eine aus-
drückliche Freisprechung von diesen Unklarheiten nicht soviel Gewicht legen,
da theils dieselbe schon in der vorher erbetenen mitenthalten wäre, theils aber
auch ich mich davon bereits durch zwei andere Aussprüche des Herrn Plathn er
sreigesprochen finde, durch welche jenes — viel härtere — Urtheil, als es
auf den ersten Blick aussieht, wie mir scheint, vollständig wieder aufgehoben
wird. Herr Plathner sagt nämlich einige Sätze weiter im vorletzten Ab-
sätze der Seite 28 selbst, nicht allein, daß ich die Grundgedanken des der-
zeitigen altpreußischen Verfahrens verwerfe, sondern auch, daß ich dies
feiner Meinung nach wegen anerkannter Fehler thue, also doch wohl
aus praktischen Gründen und nicht einer Theorie zu Liebe. Außerdem er-
kennt Herr Plathner auf Seite 19 und 27 zweimal ausdrücklich an, daß
ich so, wie er selbst und der von mir vorzüglich, hochgeschätzte Herr Ober-
gerichts-Anwalt Andrs auf dem Standpunkte praktischer Zweckmäßig-
keit stehe.
Ich muß übrigens erklären, daß meine Verwerfung der unterscheidenden
Grundgedanken des derzeitigen Altpreußischen Verfahrens nicht, wie Herr
Plathner nach dem weitern Inhalte seines vorher angeführten Ausspruchs
zu meinen scheint, wegen solcher anerkannter Fehler desselben geschieht, die
mit den Grundgedanken gar nicht Zusammenhängen, insbesondere nicht wegen
des Referats und des Protokollirens materieller Anführungen, wenn-
gleich ich allerdings beide auch verwerfe.
Ich habe freilich in meinem Gutachten nicht versucht, positiv die Nothwen-
digkeit oder Zweckmäßigkeit des vorwiegend mündlichen Sreitvortrages der
Parteien vor dem Richter zu begründen und habe dazu auch keinen Anlaß
zu haben geglaubt, weil ja die Mündlichkeit in ausgedehnterem Maße, als
ich selbst für gut hielt, nach dem Entwürfe vorgeschrieben werden sollte und
über die Begründung dieser Forderung schon mehr als genug geschrieben zu
sein schien.. Mir kam es hauptsächlich darauf an, das von mir für zweck-
mäßig erachtete Maaß von Mündlichkeit gegen die Angriffe zu vertheidigen,
welche dagegen auf dem letzten Preußischen Anwaltstage von Praktikern aus
praktischen Gesichtspunkten erhoben waren, wobei denn auch sich Einwürfe
gegen die dort vielfach verlautbarte Glorisizirung des jetzigen Altpreußischen
Verfahrens eingemischt haben.
Ich bekenne ferner in jenem Gutachten die Angriffe gegen die Grund-
gedanken des jetzigen Altpreußischen Verfahrens - nur sehr kurz behandelt zu
haben. Ich hätte aber auch kaum Mehreres und gewiß nicht Besseres dar-
über sagen können, als mein Kollege v. Mittelstädt in seinen mehrfachen
die Prozeßreform betreffenden, tief durchdachten. Abhandlungen schon gesagt
hatte. Ich will aber zur Abwehr von Mißverständnissen jetzt angeben, wie
ich zu der in meinem Gutachten ausgesprochenen Ansicht gekommen bin, be-
sonders auch, weil ich meine, dadurch gerade denjenigen Juristen mich am
verständlichsten zu machen, welche noch das reine und wahre Altpreußische
Verfahren aus Erfahrung kennen und von denen ich darum nicht begreifen

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