Volltext: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 5 (1871))

Literatur.

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Weitere Eigentümlichkeiten der corpora ex distantibus, als die bisher
besprochenen, sind in den Quellen nicht aufzufinden, so daß Göppert mit
Reckt hervorhebt, wie wenig eingreifend die Aufnahme dieses stoischen Be-
griffs gewirkt habe. Er spricht dann noch S. 114 die Vermuthung aus,
daß in älterer Zeit vielleicht noch andre Sachgesammtheiten, (z. B. instru-
mentum tundi, armamenta navis U. f. w.) in derselben Weise wie die Heerde,
hätten vindicirt werden können, und daß die stoische Philosophie zu deren
Absonderung und korrekterer Behandlung benutzt worden sei. Allein einiger-
maßen sicher ist doch nur soviel, daß die Römischen Juristen der von Alters-
her gestatteten (Gai IV. 17.) vindicatio gregis die stoische Lehre als Recht-
fertigung unterlegten. Daher soll auf die weiteren rechtsgeschichtlichen Ver-
muthungen hier nicht eingegangen, sondern nunmehr noch die praktische Ver-
werthung der ersten und zweiten stoischen Körperklaffe, der res unitae und
compositae besprochen werden.
Hier nun bekämpft Göppert zunächst S. 71—75 mit vollem Recht
die hergebrachte Idee, als ob die Römer den allgemeinen Begriff des Objekts
dinglicher Rechte nach Maßgabe der stoischen Dreitheilung bestimmt hätten.
Wäre dies der Fall, so müßte ihnen als selbstständiges Objekt gelten ent-
weder jedes, aber auch nur ein solches Ding, das seine eigne Sfrc hat, oder
jedes, aber auch nur ein solches, das nach einer der drei Kategorieen als
einheitlickeS corpus erscheint. Die erstere Annahme würde dahin führen, jede
res composita in eine Menge von Ein;elobjekten aufzulösen, was in 1. 2 3.
D. de usurp. XLI. 3 ausdrücklich verworfen wird; und nach der zweiten
Annahme müßte man folgerichtig die Stücke einer Heerde zu einem einheit-
lichen Objekt zusammenfaffen, was bereits oben widerlegt ist. Außerdem
würde bei beiden Annahmen der gesummte Grund und Boden immer als eine
einzige Sache, umgekehrt aber ein Gemisch von Flüssigkeiten (z. B. von
Wein und Wasser), als eine Mehrheit von Rechtsobjekten behandelt werden
müssen; lauter Folgesätze, die den Römischen Juristen völlig fremd sind.
In Wahrheit fassen diese vielmehr den Begriff des selbstständigen RechtS-
objekts nicht anders auf, als die gemeine Meinung, indem sie jeden begrenz-
ten Abschnitt von Grund und Boden und jedes bewegliche Stück der Körper-
welt dafür gelten lassen; und nur in solchen Fällen, wo die Anschauung des
Verkehrs noch Zweifel übrig läßt (d. h. in Betreff der sog. Pertinenzen)
haben sie den stoischen Begriff der res compositae zu Hülfe genommen.
So ist denn also die hauptsächliche Bedeutung der stoischen Unterschiede
überhaupt nicht in dem allgemeinen Theile, sondern in einer speziellen Lehre
auS dem Sachenrecht zu suchen, und zwar bei der Gestaltung des Eigenthums
in den Fällen von Aecession und Spezifikation.
Sobald nämlich zwei oder mehrere, verschiedenen Eigenthümern zuge-
hörige Sachen mit einander in Zusammenhang gebracht werden, entsteht die
Frage nach der Einwirkung dieses Zusammenhangs auf die Eigenthumsrechte.
Bei Entscheidung dieser Frage nun haben sich die Römer, wie Göppert
S. 75—94 überzeugend nachweist, großenteils durch die stoischen Begriffe
von einfachen und zusammengesetzten Sachen bestimmen und dadurch zu Grund-
sätzen leiten lassen, die mit unbefangenem Auge betrachtet einigermaßen be-
fremdlich erscheinen.
Um nur das Wesentlichste zufammenznftellen, so ist im Sinne der Römer

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