Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

Literatur.

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^alls auf Willensinterpretation zurückzuführen; so daß unter Umständen ein
legatum gregis mit rinem legatum ovium mearum centum hätte gleichbe-
deutend sein können. Ja, diese Annahme erlangt eine um so höhere Wahr-
scheinlichkeit, als ja beide Stellen nebenher auch noch bestimmen, daß bei
ZUsammenschmelzen der Heerde bis auf einziges Stück dieses eine dem Ver-
mächtnißnehmer gewährt werden müffe: eine Bestimmung, die offenbar den
Willen des Erblaffers über den Einheitsbegriff siegen läßt. (Vergl. Göppert
selbst, S. 108.) Dann aber fällt schon für das Römische, und umsomehr
für das" heutige Recht, dieser eine für die Heerde als solche geltende Rechts-
satz zusammen.
Es bleibt der andere, auch in den Quellen mehr hervortretende, daß
man nicht bloß die einzelnen Viehhäupter, sondern auch gregem ipsum vindi-
ziren könne, 1. 1. §. 3. D. d. R. V. VI. 1. Zur Erläuterung dieses Satzes
weist G. zunächst (S. 99—104) überzeugend nach, daß im Römischen Pro-
zeß häufiger, als man gewöhnlich annimmt, Vindikationsansprüche auf ver-
schiedene Sachen, wenn solche durch dasselbe Geschäft erworben waren, zu
.einer formula zusammengefaßt wurden, (1. 21. §.2. 1. 7. pr. D. de exc. rei
iüd. XLIV. 2), — daß es ferner auch für die Vindikation von Sachge-
fammtheiten (instrumentum: 1. 1. §. 1 D. de instr. XXXIII. 7. peculium:
1. 6. §. 1. D. de pec. leg. XXXIII. 8) ein einheitliches iudicium gab,
daß aber dabei die Intention nicht auf das Ganze, sondern auf die einzeln
namhaft gemachten Stücke gerichtet werden mußte. Diese beiden Punkte nun
- sind es, worin die vindicatio gregis von allen sonstigen Kumulationen mehrerer
EigenthumSklagen abwich (<S. 104— 106). Dieselbe war anwendbar auch
wenn die einzelnen Thiere aus verschiedenen Rechtsgründen erworben waren
(I. 3. pr. D. d. R. V. VI. 1.), und es genügte bei ihr statt einer Speziali-
sirUng der Objekte die Gesammtbenennung „Heerde".
Daraus darf freilich kein Schluß auf das materielle Recht gezogen
werden, als ob der vindicatio gregis auch ein dominium gregis ent-
sprechen, und der Kläger deshalb in dem Ganzen auch fremde Stücke
herausbekommen müßte. (Windscheid I. §. 137. Anm. 4.) Dieser
Schluß wäre ebenso unrichtig, als der bekannte von der vindicatio
utilis auf ein dominium utile, und es steht ihm positiv entgegen, daß
in den Quellen alle nicht erweislich dem Kläger zugehörigen Stücke von der
Restitution ausgeschlossen werden (1. 2. D. d. R. V. in restitutionem non
veniunt aliena capita; vgl. Exner Tradition S. 228—231). In Wahr-
heit beschränkte sich vielmehr die Tragweite jener Gesammt-Jntention darauf,
daß das Verfahren nun sicher den ganzen augenblicklichen Bestand der Heerde
umfaßte, und daher sowohl der Kläger vor der Gefahr einer zu niedrigen
Zahlangabe, als auch der Beklagte vor einer späteren Nachklage auf einzelne
Stücke geschützt war, (1. 21. §. 1. D. de exC< rei iud. XLIV. 2) Neben-
her war es eine Folge Römischer Wortinterpretatiott (si paret gregem
Agerii. esse), daß der Kläger völlig abgewiesen werden mußte, wenn er nicht
wenigstens an der Mehrzahl der einzelnen Thiere sein Eigenthum erwiesen
hatte (I; 2. Di cit.). ..
Prüft man die innere Berechtigung dieser Sätze, so muß man aner-
kennen, daß' durch die Zuläffung der Klage auf die Heerde als Ganzes ein
praktisches Bedürfniß befriedigt wurde. Denn, wie Göppert S. 105 mit
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