Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 5 (1871))

Literatur.

Fall, wo dolus vorliegt in I. 33 pr. eod. Doch versteht sich soviel von selbst,
daß durch dm Willen der Parteien die Haftung wegen jeder Art von Män-
geln auch beschränkt oder ganz ausgeschloffen werden kann: und solches ist
z. B. anzunehmen, wenn der Kreis der verkauften Objekte nicht genau be-
grenzt oder nach Preuß. Recht in Bausch und Bogeu verkauft worden ist.
Vergl. 1. 33 I). eod. (fundus cum instrumento) UNd §. 213 A. L.-R. I. 11.
Die bisher aufgestellten Änterpretationsregeln gelten natürlich auch von
der Heerde oder sonstigen Thiergesammtheit, d. i. dem wahren corpus ex
distantibus. Daneben aber bestehen für letzteres noch gewiffe besondre Rechts-
sätze, und diese sind es nun, durch welche sich seine Aufführung in I. 30. D.
de usurp. als einheitliches Ganze, praktisch erweist.
Hierhin könnte man zunächst rechnen wollen die bekannten Bestimmungen
beim Nießbrauch einer Heerde, wonach der Nießbraucher schuldig ist, dieselbe
aus dem Nachwuchs vollzählig zu erhalten, und sein Recht verliert, wenn
die Stücke nicht mehr die zu einer Heerde erforderliche Anzahl ausmachen.
Allein der erstere Satz folgt vielmehr aus der vertragsmäßigen Kaution des
Nießbrauchers, nur wirthschaftlich zu nutzen, und der zweite aus der muth-
maßlichen Absicht deffen, der den Nießbrauch eben an einer „Heerde" be-
stellte. Vgl. Göppert S. 97, Brinz Pand. I. S. 278 u. am.
Statt deffen ist vielmehr mit Göppert hier aufzuführen hauptsächlich
die Statthaftigkeit der vindicatio gregis und vielleicht auch noch eine Be-
sonderheit beim Vermächtniß einer Thiergesammtheit.
Um mit der letzteren zu beginnen, so folgert I. 22. D, de leg. I. und
§. 18. I. de leg. II. 20 aus der Einheit der Heerde, daß ein darauf ge-
richtetes Legat allemal den beim Tode des Vermächtnißgebers vorhandenen
Bestand ergreift.
Ebendaffelbe kann nun freilich, wie wir oben gesehen haben, auch bei
andern Sachgesammtheiten eintreten. Ändeffen glaubt Göppert doch einen
Unterschied darin zu finden, daß die gedachte Wirkung in diesen letzteren
Fällen nur durch Willensauslegung begründet werden kann, beim Thier-
komplex aber mit Rechtsnothwendigkeit aus deffen Begriff entspringe. Eine
praktische Konsequenz dieses Unterschiedes würde z. B. darin gelegen haben,
daß nach altem Recht ein Vindikationslegat bei der Heerde auch für die
später eingereihten Stücke wirksam geworden wäre, nicht aber bei andern
Inbegriffen. Allein wenn die Römer jene Entscheidung beim Vermächtniß
wirklich aus der objektiven Einheit der Heerde abgeleitet hätten, so hätten sie
kaum umhin gekonnt, eben dieselbe auch bei andern Rechtsgefchäften zur Gel-
tung zu bringen. Der Satz eundem gregem videri hätte dünn offenbar
auch bei der Verpfändung, beim Verkauf, bei der Schenkung einer Heerde dahin
führen müffen, dem Gläubiger auch auf den späteren'Zugang einen Anspruch
einzuräumen (A. M. Göppert S. 109). Und doch spricht die einzige
dahin einschlagende Stelle (I..13 pr. D. de pign. XX. 1) nur davon, daß
auch die von verpfändetem Heerdenvieh geborenen Jungen indas Pfand-
recht fallen —was sich, wie Göppert S. 59 selbst sagt, aus der Thell-
qualität der letzteren, nicht aber aus der Vereinigung der Mutterthiere zu
einer Heerde erklärt. In Folge deffen liegt es nahe, die Entscheidung der
leges 22 und 18 citt. trotz des Wortlauts ihrem letzten Grunde nach nicht
sowohl aus den Rechts-Begriff der Heerde, als Einheit, als -vielmehr eben-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer