Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

Literatur.

Erst in neuester Zeit entdeckte man, daß die dritte Gattung eigentlich
nicht wohl zu den körperlichen Sachen zu zählen sei. Deshalb löste man
nunmehr jene Rönrische Dreitheilung auf und stellte die Gesammtsache oder
bester „Sachgesammtheit" als unkörperliche Sache in einen gleichmäßigen
Gegensatz zu den beiden andern Klaffen als Arten der körperlichen. (Wind-
scheid Lehrb. §. 137, Puchta Lehrb. und Borles. tz. 35.) Einige schritten
sogar dazu fort, die Sachgesammth eiten aus der Reihe der Rechtsobjekte
überhaupt zu streichen und nur die Eintheilnng der Sachen in einfache und
zusammengesetzte gelten zu lassen. (Wächter Erört. I. S. 17 ff., Unger
System des österr. Priv.-R. I. §. 57. S. 477, Förster Theorie und
Praxis I. §. 21.) Auf der andern Seite ist indessen gerade der Begriff
der Sachgesammtheiten bis in die neueste Zeit sowohl von der Praxis
(Seuff. Arch. XIII. 308. XV. 187. VII. 283) als von der Gesetzgebung
(Preuß. L.-R. I. 2. §. 32 Oesterr. Gesetzb. §. 302. Sächs. Gesetzb. §. 62)
festgehalten worden. Dabei fällt die Bestimmung dieses Begriffs meist so
umfassend aus, daß darnach jede beliebige Mehrheit von Sachen mittelst
einer Kollektivbezeichnung zur universitas erhoben werden kann, z. B. ein
Theaterinventar (Seuff. XV. 187), ein Familien-Archiv (in dritter Instanz
verneint bei Heuser Annalen der Justizpflege in Kurheffen II. S. 58), ein
Viergespann (Holz sch uh er Theorie und Kasuistik §. 34. Nr. 7) — warum
nicht auch ein Paar Stiefel? Ebenso wird die praktische Verwendung der
Sachgesammtheit als Rechksobjekts meist nicht bestimmter angegeben, als dahin,
daß sie „nach einigen Richtungen" oder „in gewissen Beziehungen" eintrete
(Windscheid, Keller a. a. £>., Puchta Inst. §. 222 bei Anm. h.).
Endlich aber stimmt man auch bei den einfachen und zusammengesetzten Sachen
über die Kriterien ihrer Unterscheidung nicht entfernt überein. Kurz in der
ganzen Lehre ist eigentlich nichts sicher, als etwa das eine, daß man bisher
den Sinn, den die Römer mit jener Dreitheilung verbanden, nicht ergründet
hat. Oder will man den Römern wirklich eine Gliederung zutrauen, für
die es an einer logischen Rechtfertigung völlig fehlen würde? Und sollten
in der That die ersten zwei von den drei in 1. 30 gegebenen Beispielen für
das dritte Glied — populus und legio — auf die Veranschaulichung der
universitas als Rechtswbjekt berechnet sein?
Zur Beseitigung dieser Unklarheit hat Göppert den allein richtigen
Weg eingeschlagen, indem er auf die Quelle zurückging, aus welcher die
Römer jene Begriffe geschöpft haben, d. i. auf die Naturlehre der stoischen
Philosophen. Gewiesen war dieser Weg schon, seit Curacius den stoischen
Ursprung der Lehre bestimmt hervorgehoben hatte. Aber es fehlte bisher
an der Neigung und Fähigkeit, die mühsame Bahn zu verfolgen, in das
dem Juristen nach Sprech- und Denkungsweise gleich fremde Gebiet stoischer
Physik einzudringen und aus deren Zusammenhangs die echte Bedeutung der
Begriffe klar zu entwickeln. Dieser schwierigen Aufgabe ist Göppert nun-
mehr im vollsten Maße gerecht geworden, und man darf sagen, daß der
Gewinn, den er dabei erzielt hat, in theoretischer, wie in praktischer Bezie-
hung die Mühe der Arbeit reichlich verlohnt.
Den Beweis für die wirkliche Identität der juristischen mit den stoischen
Begriffen erbringt Göppert zunächst S. 10 —19 durch die Anführung
von sechs verschiedenen Stellen nichtjuristischer Schriftsteller (Plutarch,

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