Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 5 (1871))

Literatur.

foturis, welche sich unter Anderm auch in der Anwendung des Worts militia
auf den Civildienst äußerlich ausprägt, erfolgte die Ausdehnung der militä-
rischen Privilegien und namentlich deffen des peculium castrense auf die
Oberbeamten. Der Subalterndienst aber war feit der ersten Kaiserzeit durch
wirkliche Soldaten versehen worden, welche als solche das Peculienrecht be-
saßen; es verblieb den Inhabern der „militiae", auch nachdem die Offizialen
der Civilbehörden aus den Armeelisten verschwunden waren. Jene kaiserlichen
Verordnungen, welchen man die erste Einführung des pec. quasi castrense
beimißt, waren vielmehr dazu bestimmt, entstandene Zweifel über den Fort-
bestand des Privilegiums zu beseitigen. Eine eigentliche Neueinführung ent-
hielten nur die Verordnungen zu Gunsten der Affessoren, Advokaten (foren-
sis militia) und Geistlichen (milites Dei).
Die Erkenntniß dieses historischen Zusammenhangs beseitigt übrigens
die vermeintliche Singularität beim peculium quasi castrense der Beamten,
daß mit Ausnahme gewisier Klaffen ihr Vorrecht sich nur aus das durch das
Amt unmittelbar, nicht auch aus das occasione desselben erworbene erstrecken
fett,, während gerade die Advokaten besser gestellt sein würden. Es besteht
jetzt kein Hinderniß, dem unnüttelbar aus dem pec. castrense erwachsenen
Beamten-Peculium die gleiche Ausdehnung zuzugestehen (S. 448 ff.).
Fitting hat sich sodann, wie schon bemerkt, der unendlichen Mühe
unterzogen, beide, das castrense und quasi castrense peculium in ihrer weitern
Geschichte bis zum heutigen deutschen Rechtszustande zu verfolgen (Buch 4
S. 476 ff.). Eigenthümlich genug ist dabei die Rolle, welche der wechselnde
Gebrauch des Worts militia, schon in der Römischen Kaiserzeit nicht ohne
gewissen Einfluß, in der Rechtsentwicklung des Mittelalters geübt hat. Die
Wandlungen in der Kriegführung und in den Ständeverhältniffen spiegeln
sich in den wechselnden Ansichten über die Personen, denen das Römische
Privileg der militia und quasi-militia zugesprochen werden sollte, und auch
der Freund der Kulturgeschichte wird diese Abschnitte des Buchs mit Jntereffe
lesen, in welchen der Verfasser zum großen Theil die Resultate selbstständiger
Forschungen aus Quellen vorträgt, welche dem Juristen fremd und schwer
zugänglich zu sein pflegen. Die doctores juris unserer Zeit, in welcher Ga-
lenus gelegentlich wohl noch cpes verleiht, aber Justinian aufgehört hat,
honores zu verschaffen und der alte Glanz der Jurisprudenz merklich ver-
bleicht, mögen Fitting für die eingeflochtene Untersuchung über den selbst-
geschaffenen Adel ihrer Vorgänger besonderen Dank sagen (S. 547 ff.
584 ff. 601 ff.).
Verhältnißmäßig einfach ist das Endresultat für das heutige Recht bei
dem peculium castrense; anders aber bei dem quasi castrense. Bei diesem
tragen unsere jetzigen Lehr- und Handbücher seit dem Anfänge unseres Jahr-
hunderts den unmittelbaren Inhalt des Corpus juris als geltend vor und
zwar meist mit jener oben erwähnten erst von Fitting überzeugend besei-
tigten Singularität, welche das Ganze noch mehr zu einem Aggregat von
Willkürlichkeiten macht, als es ohnehin in der That schon ist. Hier erhalten
wir jedoch den unwiderleglichen Nachweis, daß in Deutschland von jeher bis
zur neuesten Zeit ein viel umfaffenderes Institut unter der Rubrik des pe-
culium quasi castrense in der gesummten Literatur gelehrt und unzweifelhaft
auch in der Praxis (S. 649—652) gehandhabt worden ist. Wie in ähn-

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