Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

über Urheberrecht.

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Natürlich sind wir uns völlig klar, daß wir mit diesen de 1og6
ferenda ausgesprochenen, nur rechtsphilosophisch motivirten Anschauungen
mit der dermaligen Deutschen Rechtsentwicklung und der herrschenden
Denkweise in sehr schroffem Gegensatz uns befinden.
Wir kehren nun zu den beiden Gesetzen und deren Prüfung im
Einzelnen zurück.
N. handelt in seinem I. Abschnitt von den Schriftwerken, B. ge-
braucht dafür a. 1. „literarische Erzeugnisse" — beide müssen aber auch
die rein mündlichen Vorträge „zum Zweck der Erbauung, der Belehrung
oder Unterhaltung", obwohl diese keine Schriftwerke oder literarischen
Erzeugnisse sind, hereinziehen. Beide Gesetze verbieten die „mechanische"
Vervielfältigung; B. nennt a. 1. Abs. 2 dem bisherigen aber wider-
sinnigen Sprachgebrauch folgend, auch die erstmalige unbefugte Veröffent-
lichung eines Werkes „Nachdruck"; die Worte „ganz oder theilweise ab-
gedruckt", welche der Entwurf von N. aus B. herübergenommen, hat
die Fassung des Gesetzes mit Recht als überflüssig satten lassen.
Bezüglich der Sammelwerke hat N. in §. 2 die bisher schon gel-
tenden Grundsätze — Urheberrecht des Herausgebers an dem Ganzen,
der Mitarbeiter an den einzelnen Beiträgen — reckpirt. Unter dem
Herausgeber ist der geistige Vater des Gesammtwerkes als solchen zu
verstehen, derjenige, welcher das Unternehmen als Ganzes geistig geschaffen
hat, im Unterschied vom bloßen buchhändlerischen „Unternehmer": dieser
der Verleger, kann, wie dies bei periodischen Schriften, illustrirten Zei-
tungen rc. häufig der Fall ist, als „Redakteur" zugleich der Heraus-
geber sein, aber er muß es nicht sein; er kann z. B. nur das Verlags-
recht, nicht das Urheberrecht haben?) Sein Recht kann verletzt werden
nicht nur durch Nachdruck des gesummten Unternehmens, sondern, praktisch
häufiger und wichtiger, auch durch Abdruck und Ausbeutung einzelner Be-
standtheile. Juristische Personen, z. B. Akademien, Universitäten, ge-
lehrte Gesellschaften können ebenfalls als Herausgeber Urheberrechte an
der Totalität von ihnen veranstalteter Sammelwerke haben; darüber N
§. 13. Eine Entscheidung der Frage, ob bei einem auf Bestellung gear-
beiteten Werke der Besteller oder der Bearbeiter das Urheberrecht habe,
wurde mit Recht in das Gesetz nicht ausgenommen: das ist offenbar im
einzelnen Fall guaestio facti. Während unter Umständen der Besteller,
z. B. ein Verleger, welcher eine populäre Darstellung des Krieges von
1870 bei einem Schriftsteller bestellt, wenn auch mit Beifügung einiger

. Vergl. Die stenographischen Berichte über die Verhandlungen des Norddeutschen
Bundes, I. Legislaturperiode, Session 1870. I. S. 812 fg., II, 132 fg.

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