Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

Korn: Testament und Erbvertrag der Eheleute in der Mark Brandenburg. 139
rufen, daß er sein eigenes Vermögen zur Theilung ein-
werfen muß, so hat er zunächst die Wahl, ob er aus dem Testamente
oder aus dem Statute erben will, und er ist an diese in der Ueber-
legungsfrist des Landrechts nicht gebunden. Nach Ablauf der landrecht-
lichen Ueberlegungsfrist kann er von der getroffenen Wahl nicht mehr
abgehen, doch hat er dann in beiden Fällen, mag er also sich zum
Erben aus dem Testamente oder aus dem Statute erklärt haben, noch
. die Befugniß der Erbschaft ganz zu entsagen, bis er durch Versäumniß
der ihm speziell in einem Erkenntnisse gesetzten peremtorischen Frist zum
Erben ohne Vorbehalt geworden ist. — Giebt er in diesem Falle über-
haupt keine Erklärung ab, so ist ihm von dem Richter bei Feststellung
der peremtorischen Frist die Verwarnung zu stellen, daß er nach Ablauf
derselben für einen Erben aus dem Statute ohne Vorbehalt werde er-
klärt werden, weil die Vermuthung nicht obwaltet, daß ein überlebender
Gatte sein statutarisches Erbrecht aufgiebt und die Erbfolge aus einem
Testamente des zuerst versterbenden Gatten wählt.")
Das Wahlrecht des überlebenden Ehegatten geht, so-
lange es ihm selbst zusteht, unverändert bei seinem Tode
auf seine Erben über, mag sein Tod erfolgen, a. ohne daß er sich
überhaupt über die Erbschaft des Verstorbenen erklärt hat, oder b. nach-
dem er zwar schon pro herede enm benelleio erkannt ist, aber noch
keine Erklärung abgegeben hat, ob er den Miterben das Vermögen des
Verstorbenen ohne Theilnehmung überlassen oder mit ihnen aus dem
Statute theilen wolle, oder 6. wenn er rechtskräftig weder pro herede
noch pro non herede durch Erkenntniß erklärt ist.")
IV. Quote des überlebenden Ehegatten und Anweisung
einzelner Stücke.
Nach dem Römischen Rechte und etwas eingeschränkt auch nach dem all-
gemeinen Landrechte für die Preußischen Staaten gilt als Grundsatz für alle
Erbfolge aus einem Testamente, daß die darin er nannten Erben gleiche
Antheile erhalten, wenn der Erblasser unterlassen hat die Quoten der
einzelnen Erben zu bestimmen.") In der Mark Brandenburg
*2) Steher: Dissertatio juridica (Ausgabe v. 1761. S. 85).
") ErbschaftS-Edikt v. 30. April 1765. Abth. II. §. 11. (Rabe III. S. 125.)
Erkenntniß des Kammergerichts vom 19. Oktober 1803. (Mathis: Juristische
Monatsschrift II. S. 182.)
") §. 6. Inst. De hered. instut. (II. 14.) Lex 9. §. 12. Dig. De hered.
instut. (XXVIII. 5.) und §. 261. Tit. 12. Th. I. A. L.-R. Die Ausnahme von
den verbunden eingesetzten Erben interessirt hier nicht.

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