Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

über Urheberrecht.

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Werk von Wächter zur Herrschaft gelangten) Ansicht erwachsen, welche
Urheberrecht und Verlagsrecht identisizirt.
Das Verlagsrecht ist aber nicht identisch mit dem Urheberrecht,
sondern nur Eine, wenn auch die praktisch wichtigste, in dem Urheber-
recht enthaltene Befugniß, ähnlich, wie das Recht des Eigentümers, den
Gegenstand seines Eigenthums zu verwerthen, nur Eine der im Eigen-
thumsrecht beschlossenen Befugnisse ist.
Rechtsphilosophisch betrachtet erweist sich das Urheberrecht als das
von unserer Rechtsordnung anerkannte höchst persönliche Recht des Pro-
duzenten eines Geistesprodukts, über dasselbe ausschließlich und unbe-
schränkt zu verfügen.
Der thatfächliche Grund dieses Rechts ist einfach das mit keinem
andern Verhältniß vergleichbare Verhältniß des Produzenten zu dem
Produkt, das vlnoulum Spirituals, — welches dieses Subjekt —
und kein anderes gedenkbares mit diesem Objekt verbindet; darin liegt
schon, daß das hieraus gestützte Recht ein höchst persönliches, auch durch
den Willen des Urhebers selbst nicht aus einen andern übertragbares,
weder zu veräußerndes noch zu vererbendes ist; nur die Ausübung ein-
zelner in diesem Recht enthaltener Befugnisse kann durch den Willen
des Urhebers (z. B. Verlagsvertrag) oder durch Gesetz (Uebergang des
Verlagsrechts auf die Familienerben) aus andere Personen übertragen
werden.
Es ist hier nicht der Ort, die entgegenstehenden Theorien (die Pri-
vilegiumsdoktrin, die Lehre vom sogenannten literarischen Eigenthum und
die Verlagsrechts-Theorie) in ihrer geschichtlichen Aüfeinanderfolge zu
betrachten oder das Einseitige und Unzureichende ihrer logischen Be-
gründung ausführlich darzuthun; nur in Kürze soll Einiges aus der
Entwicklungsgeschichte des Urheberrechts im Leben und seiner Behand-
lung — oder Mißhandlung — in der Theorie hier heraus gehoben
werden. —
Leicht der stärkste, aber auch der naivste, Einwand gegen unsere
Auffassung ist erst vor Kurzem in folgender Argumentation erhoben
worden:
„Es läßt sich nicht bestreiten, hat man gesagt, daß denkbarer Weise
das Verhältniß des Produzenten zu seinem Geistesprodukt, welches an
sich ein rein tatsächliches ist, durch die Rechtsordnung als ein zu
schützendes angesehen werden könnte, wie z. B. das an sich auch zu-
nächst nur tatsächliche Verhältniß des Erzeugers zu seinem Kinde als
patria potestas, oder Muntschaft von der Rechtsordnung geschützt worden
ist. Es ist auch richtig, daß, wenn die Rechtsordnung dies Verhältniß

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