Full text: Volume (Bd. 5 (1871))

Bohlmann: Grenzen und Ziele der"nruen Reichsnotaria^Sordnung. 99
Lizitationen, welche auf eine solche Parzettirung hinauslaufen, unter die Aus-
sicht der Dorfbehörde und Geldbuße bis zu 200Thlr. stellt. Diesem
Extrem der Situation unseres Notariats steht als Correlat gegenüber
die fast regelmäßige Berbindung desselbeumit der Advokatur.
Vergleicht man die so eben gezeichnete Beschaffenheit des Instituts
der Notare in Altpreußen mit demjenigen am Rhein und in Süd-
deutschland, so wird der allgemeine Wunsch nach einer „im neuen
Reiche" baldmöglichst herbeizuführenden Vereinheitlichung und Ver-
schmelzung der verschiedenen gesetzgeberischen Auffassungen der Stellung
der Notare sehr erklärlich.
Die Nothwendigkeit allgemeiner gesetzlicher Bestimmungen hinsicht-
lich der Form und Geltungstraft der Urkunden überhaupt, folgt aber
vor Allem schon aus einer praktischen Erwägung. Die Buntheit der
gesetzlichen Bestimmungen über das Notariatswesen war, wie dies in
Deutschland üblich, bisher nicht nur in jedem Deutschen Staate eine
verschiedene, sondern auch innerhalb so manches einzelnen Gesetzgebungs-
gebiets ist durch Novellen, Modifikationen und zweifelhafte Abgrenzungen
noch soviel zur Verquickung und Verwirrung beigetragen worden, —
daß dem großen Publikum jede Uebersicht und Orientirung sehr unzu-
gänglich und beinahe unmöglich geworden ist. In einem Bundesge-
biete, welches jetzt einen einzigen großen solidarischen Verkehrsmarkt
bildet, ist die längere Fortdauer einer solchen Erscheinung eine bedauer-
liche Irregularität, mit deren Beseitigung die gesetzgebenden Faktoren
des Deutschen Reiches nicht lange auf sich warten lassen werden. Nur
des Beispiels halber sei bemerkt, daß in Frankfurt a. Nt., Mecklen-
burg-Schwerin und Strelitz, Sachsen - Altenbu rg, Sachsen-
Koburg-Gotha, Sachsen-Meiningen, Hildburghausen,
Lauenburg und beiden Reuß noch die alte Reich snotariats-
Ordnung Kaiser Maximilian's vom 5. Oktober 1512 Geltung
besitzt, — und kein einziger dieser Staaten hat unterlassen, der alt-
ehrwürdigen Schöpfung Kaiser Maximilian's mannigfache Ausflüsse sei-
ner Partikular-Souverainetät anzuhesten und in u8um publieum zu
widmen. Einzelheiten in dieser Beziehung aufzuzählen,' dürfte dem
Ernste dieser Abhandlung Abbruch thun.
IV.
Die große Selbstständigkeit und so zu sagen die Jnstanzlosigkeit,
mit welcher die Notare zu amtiren haben, hat es von jeher nothwendig
gemacht, ihr Amt mit einer Reihe von Kautelen zu umgeben und die
Gültigkeit der aufgenommenen Akte an mehrfache Formalitäten zu
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