Full text: Volume (Bd. 1 (1867))

74 Ueber die geschichtliche Entwickelung deS deutschen ThroufolgerechtS.
bestimmt werden und wenn Rechte überhaupt nur der Pflichten wegen, d. h.
unter Voraussetzung der Geselligkeit gegeben sind, so müssen solche Rechte,
bei denen das Maß derjenigen Pflichten, zu deren Erfüllung sie bestehen,
juristisch bestimmt ist, jedem nur in dem Umfange zustehen, in welchem
er zur Erfüllung der fraglichen Pflichten befähigt und bereit ist.
Demnach müssen sich aber auch die Objecte der politischen Nachfolge
und die Persönlichkeiten der politischen Nachfolger wechselseitig bedingen.
Ist die politische Pflicht überhaupt an ein bestimmtes sachliches Ob-
ject gebunden, so wird die Nachfolge in das fragliche Object auch von
der persönlichen Fähigkeit, die mit dem Eintritt in den Besitz des Objects
verbundenen politischen Pflichten zu erfüllen, abhängen. Unter der Vor-
aussetzung des Vorhandenseins jener Fähigkeit aber wird das Eintreten
in die Stelle des Vorgängers sogar als nothwendig, als Pflicht erscheinen;
jedenfalls kann der Fortbestand der politischen Stellung resp. die Erfül-
lung der damit verbundenen Pflicht nicht von einem persönlichen Privat-
willen abhängen und auch keine Unterbrechung erleiden. Dabei ist es
gleichgültig, ob man den Staat, resp. die Staatsoberhauptschaft selbst,
oder nur eine politische Unterthanpflicht im Auge hat.
Unsere Zeit weiß nur noch wenig von erblichen politischen Unterthan-
stellungen; besonders in Deutschland sind sie selten geworden. Nach dem Geiste
der Zeit entscheidet über die politische Stellung hauptsächlich die erprobte
persönliche Fähigkeit dazu, und nach den bestehenden Gesammtverhältnissen
ist, wenigstens regelmäßig, zu einer politischen Stellung kein besonderes
angeerbtes und nur ererbbares Vermögen erforderlich. Jede Zeit muß
ihr Bedürfniß an persönlichen politischen Kräften selber produciren. Unsere
Zeit bedarf aber nicht blos durch Geblüt und Erbschaft möglichst un-
wandelbare, gleichsam typische, sondern vorzüglich individuelle, wechselnde
politische Charaktere, die weniger durch die unabänderlichen Verhältnisse
rktnform gestaltet werden, als vielmehr immerfort neu nach den Bedürf-
nissen die Verhältnisse gestalten.
Es sind dabei jedoch ein paar höchst eigenthümliche Erscheinungen zu
constatiren. Einmal nämlich muß bei noch unfertigen Staatsbildungen
die in dem Flusse der Gestaltungen liegende Wandelbarkeit des staatlichen
Elements dazu führen, daß eine Besitzung von Land und Leuten bald
selber als Staat, bald einem Staate angehörig erscheint. Dann aber,
und dies halten wir noch für wichtiger, lehrt die Geschichte, daß, je un-
wandelbarer und typischer die politischen Charaktere eines Gemeinwesens
feststehen, desto weniger Festigkeit und Typus in dem Haupte des
Ganzen vorhanden ist. Dieses erscheint nämlich entweder als eine juri-
stische Einheit mit einer Art von Präsidenten auf längere oder kürzere
Zeit, oder als eine der Republik und Consöderation nahe verwandte

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