Full text: Zeitschrift für deutsches Staatsrecht und deutsche Verfassungsgeschichte (Bd. 1 (1867))

auf die Herzogtümer Schleswig und Holstein. 489
deutschen Reichs hervor. Professor Höngh-Guldberg, Sohn des Staats-
secretärs O. Guldberg, Lehrer der Prinzessin Caroline, forderte 1807 in
seiner Vorrede zu Müller's deutsch-dänischem Wörterbuch und im Jahr
1809 in der Vorrede zu seinem „Lesebuch für Schleswig-Holsteiner" diese
auf, die Verbindungen, in welchen sie früher gestanden, zu vergessen, sich
als für immer mit Dänemark vereinigt und demselben incorporirt zu be-
trachten. Ohne Spracheinheit sei es nicht möglich, daß die Herzogthümer,
welche Guldberg Provinzen nennt, mit Dänemark, dem Hauptlande, ein
Ganzes bilden (Kieler Blätter, B. 2, S. 82). H. Guldberg, der 1805
bis 1810 mit dem Hofe in Kiel war, und hier 1806, 1807 und 1809
am Geburtstage des Königs Reden in dänischer Sprache hielt, verlangte
freilich nicht, daß die Schleswig-Holsteiner sogleich das Deutsche ganz ab-
legen sollten.
Eine milde Entgegnung gab der schon genannte Historiker Hegewisch
im Jahre 1809 in einem Schreiben an einen Freund über die Folgen,
die aus der Vereinigung verschiedener Völker unter Einer Regierung für
die Sprachen dieser Völker entstehen können. Dieses 1809 ohne Namen
des Verfassers gedruckte Schreiben ward 1816 in B. 2 der Kieler Blätter
wieder gedruckt. Die Regierung ließ nach einer Verfügung vom 3. De-
cember 1807, seit 1808 theils zum Besten der Bewohner desjenigen Theils
der Herzogthümer, unter welchen die dänische Sprache bereits üblich ist,
theils um die Kenntniß dieser Sprache in den Herzogthümern mehr aus-
zubreiten, die Verordnungen für die Herzogthümer in deutscher und dä-
nischer Sprache ergehen, die Bestallungen wurden nach Vorschrift vom
2. December 1809 in dänischer Sprache ausgefertigt. Nach einem nicht
publicirten Rescript an die schleswig-holsteinsche Kanzlei vom 15. Decem-
ber 1810 sollte in den Gegenden, wo die dänische Sprache Volkssprache
sei, der Gebrauch der deutschen Sprache beim Gottesdienst, dem Schul-
unterricht und in den Gerichten aufhören und die dänische Sprache an
die Stelle treten. In Folge dieses Rescriptes wurden im Jahre 1811
von den Behörden in Schleswig Berichte über den Gebrauch der dänischen
und deutschen Sprache verlangt. Den Candidaten, welche Kenntniß der

2. August 1811 Ehren halber zum Doctor der Philosophie. Ueber die Vorlesungen,
welche Baggesen in Kiel ausarbeitete und zum Theil hielt, finden sich Nachrichten in
I. Baggesen's Biographie B. 4, D. 1 S. 79. Beilage S. 86. Baggesen rühmte die
deutsche, mehr noch die dänische Sprache, letztere habe die meisten Stammwörter, nur
in ihr sei eine hinreichende Etymologie möglich. Baggesen wünschte zur Förderung sei-
ner Wirksamkeit in Kiel die Anstellung eines dänischen Lectors. Baggesen war 1813
von Kiel abwesend, erhielt 1814 auf seinen Wunsch seine Entlassung. In demselben
Jahr ward H. C. Götzsche zum Lector der dänischen Sprache und Literatur ernannt,
er ertheilte vielen Kieler Studenten Unterricht in der dänischen Sprache, ihnr folgte
1823 der Dichter I. L. Heiberg.

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