Full text: Volume (Bd. 1 (1867))

des allgemeinen deutschen Staatsrechts.

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in dieser Beziehung früher schon gemachten Einwendungen als noch be-
stehend, ja sogar als gesteigert bezeichnen muß. Sieht man nämlich auch
ab von dem oben schon hervorgehobenen, allerdings fundamentalen, Nicht-
einverständuisse mit der Darstellung der gewonnenen Sätze als positives
subsidiäres Recht, so ist immer noch gegen diese Systematik und Methode
entschieden Verwahrung einzulegen. Von System ist eigentlich gar nicht
die Rede. Das Werk ist nur in eine Anzahl von Abschnitten eingetheilt,
welche namentlich im ersten Bande ziemlich willkürlich und bunt aufein-
ander folgen: allein es fehlt an Ober- und Untereintheilung, an Hervor-
hebung des Staatsorganismus, selbst an der Auseinanderhaltung des Ver-
schiedenartigen und der Verbindung des Zusammengehörigen. So ist z. D.
das Bundesrecht gar nicht formell ausgeschieden und dem Territorialrechte
gegenüber gestellt; es erhält seinen Abschnitt, wie ein anderer Gegenstand
auch. Dann und hauptsächlich aber ist in dem ganzen Werke die bun-
teste Mischung von Geschichte, politischer Kritik, Rechtssätzen, Anführun-
gen von Einrichtungen einzelner Staaten. Der Verfasser läßt seine eigene
Begriffsbestimmung des gemeinen deutschen Staatsrechts, daß es nämlich
die gemeinsamen Rechtsideen aufzuführen und darzustellen habe, ganz außer
Acht oder erstickt sie wenigstens unter einer Masse ganz fremdartiger
Dinge. Diese mögen an sich ganz gut sein (und sie sind es übrigens
keineswegs alle), aber daß auf solche Weise keine wissenschaftliche Con-
struction entsteht, liegt auf der Hand. Wir müßten uns sehr irren, oder
Gerber ist, ohne allerdings einen Namen zu nennen, zu seiner Polemik
und der eignen sie thatsächlich rechtfertigenden Darstellung eines wirklichen
gemeinen (wissenschaftlichen) Rechts gerade durch diese Handlungsweise be-
wogen worden, und wir meinen, daß seine Grundsätze und sein Vorgang
eine sehr ernste Erwägung bei einer etwaigen neuen Bearbeitung ver-
dienen würden. Vielleicht siele dann gelegentlich auch die veraltete Termi-
nologie weg, in welcher sich Zöpfl gefällt und die doch nur verwirrt, weil
sie nicht nur dem jetzigen Sprachgebrauche, sondern auch in der That den
jetzigen Staatsbegriffen zuwider ist. Wer spricht denn noch von „Ge-
bietshoheit," „Privilegienhoheit," „Lehnhoheit"?
Von Zachariä's dritter Auflage ist bis jetzt nur der erste Band erschie-
nen, welcher/ außer einer hauptsächlich literargeschichtlichen Einleitung, den
allgemeinen Theil (rechtsphilosophische Begriffe und die Geschichte der deut-
schen staatsrechtlichen Zustände enthaltend) und das Verfassungsrecht der deut-
schen Staaten giebt. Es ist also das territoriale Verwaltungsrecht und das
Bundesrecht zurück. Die neue Auflage ist in Betreff der Anordnung und des
Umfanges des Stoffes und hinsichtlich der Bearbeitungsweise nicht geän-
dert, sondern enthält nur, allerdings sehr zahlreiche, Zusätze und Berich-
tigungen im Einzelnen. Das schon lange feststehende Urtheil über das
Zeitschrift f. deutsches Staatsrccht. I.Bd. 26

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