Full text: Volume (Bd. 1 (1867))

des allgemeinen dentschen Staatsrechts.

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fachen Bedürfnisse. Abgesehen von den, doch immer zahlreichen, jun-
gen Rechtsgelehrten, welche auch diesen Theil des ihnen notwendigen
Wissens gründlich einmal durchzuarbeiten haben, abgesehen ferner von den
häufigen Verwendungen so zahlreicher Rechtsgedanken und thatsächlicher
Notizen zu den manchfachsten wissenschaftlichen Zwecken: sind Viele im
Geschäftsleben in der Lage, sich von Fall zu Fall, über einzelne Gegen-
stände und Fragen Raths zu erholen. Das Bundesrecht, sei es nun be-
schaffen wie es wolle, kann in den größten Einzelnheiten für den Bundes-
tagsgesandten, den Ministerialrath, das Ständemitglied, den Journalisten,
den Rechtsanwalt von Interesse sein; das allgemeine Territorialstaatsrecht,
und zwar Verfaffungs- sowohl als Verwaltungsrecht, soll in unzähligen
Fällen jeder denkbaren Rechtsanwendung aushelfen, wo die Landesgesetz-
gebuug lückenhaft oder undeutlich ist, und dieses ist um so häufiger der
Fall, als dieselbe neu und somit noch nicht in allen ihren Folgerungen
entwickelt ist, und als sie ein kleines Land betrifft, dessen legislatorische
Thätigkeit aus mehr als Einem nahe liegenden Grunde nur gering sein
kann. Für die Allermeisten, welche im Ständesaal oder in der Geschäfts-
stube in Verlegenheit um die Beantwortung einer im Particularrechte nicht
ausdrücklich entschiedenen Frage sind, ist es weit bequemer und auch wohl
sicherer, zu einem Handbuche Zuflucht zu nehmen, welches ihnen angiebt,
wie der Fall in ganz Deutschland bereits entschieden sei, als selbst in
den Grundlagen des einheimischen Rechtes den einen leitenden Satz auf-
zufinden. In solchen Nöthen nimmt man es denn auch nicht sehr genau,
weder mit der allgemeinen politischen Richtung des hülsreichen Buches,
noch mit einem etwa für falsch erachteten Raisonnement, oder gar mit der
wissenschaftlichen Methode, mittelst welcher die gesuchte Nachweisung ge-
funden wurde; die Hauptsache ist, daß man eine Antwort auf die fatale
Frage bekommt, und daß diese bestimmt lautet, etwas mit ihr anzufangen
ist. Findet man dann noch Nachweisungen über weitere Literatur, ähn-
liche Vorfälle u. dgl., so ist man reichlich zufrieden gestellt, und getrauet
sich im Uebrigen schon selbst, da, wo es nöthig sei, zu und abzuthun.
Dieß sind die Gründe, welche früher Klüber's Werk Jahrzehnte lang auf
jedem Schreibtische seinen sicheren Platz anwiesen; sie sind es auch, welche
jetzt immer neue Auflagen von Zöpsl's und Zachariä's Handbüchern
Hervorrufen, und wohl auch Schulze in Aussicht stellen, wenn er erst
vollendet hat, was bis jetzt nur begonnen ist. Und sehr verkehrt wäre es,
in dieser Hervorhebung eines weit verbreiteten practischen Bedürfnisses eine
Ueberschätzung dieser Schriften sehen zu wollen; es kann keine größere
Belehrung und keine größere Verwendung für Fleiß, Nachdenken und
Wissen geben, als wenn sie unmittelbaren Einfluß auf das Leben erhal-
ten. — Im Uebrigen sind die drei vorliegenden ausführlichen Schriften

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