Full text: Volume (Bd. 1 (1867))

Die Bildung der Gerichtshöfe des gemeinen Rechts. 345
Sr. Majestät Befehl.95) „Das Betragen der Richter in diesem rühm-
losen Kampfe," sagt Hallam bei dieser Gelegenheit, „war so beschaffen,
um sie jedes Schattens von Vertrauen zu berauben, welches noch in ihre
Integrität gesetzt war. Hobart, Doddridge und verschiedene Andere waren
Männer, die wegen ihrer Gelehrsamkeit im großen Ansehen standen, und
ihre Autorität in Bezug auf gerichtliche Streitfragen ist noch heute sehr
groß. Aber indem sie durch ein Gefühl ihrer Pflicht oder wegen des Ue-
bergewichts, welches Coke unter ihnen erlangt hatte, veranlaßt wurden,
das Schauspiel eines Widerstandes gegen den Hof zu geben, so betrugen
sie sich wie furchtsame Rebellen, die sich beim ersten Kanonenschüsse er-
geben, und befleckten ihre Integrität und ihren Ruhm aus Furcht, ihre
Aemter zu verlieren, oder noch mehr vielleicht aus Furcht, von den un-
barmherzigen und verderblichen Strafen der Sternkammer betroffen zu
werden."
Der König griff aber auch sonst auf alle Weise in den geordneten
Gang der Justiz ein; und überall trat dabei das politische Parteiinteresse
auf das Nackteste hervor, überall machten sich dabei die persönlichsten Rück-
sichten geltend. So sind königliche Befehle ergangen, einen Proceß im In-
teresse des Beklagten aufzuschieben, weil dieser im Parlamente die könig-
liche Sache unterstützt habe, „because he had in the parliament house
showed himself forward in our service“; oder ein Verfahren zu be-
schleunigen, damit der König mit dem Ueberlaufen der Parteien ver-
schont würde, „that de might be freed from the continuall importu-
nities of the parties." 96)
Endlich wurden die Richter sogar wegen ihrer schon abgegebenen Ur-
theile zur Verantwortung und Bestrafung vor das Council geladen. Aber
so sehr gegenüber den Anschauungen späterer Zeiten gerade hierin der
höchste Grad einer persönlichen Einmischung des Königs in die Rechts-
pflege gefunden werden mag, so wenig war das die Ansicht der damals
Lebenden. Hat doch selbst Coke diese Maßregel nicht für durchaus unzu-
lässig gehalten. Er sprach sich nicht gegen die Vorladungen der Richter
vor das Council an und für sich aus, sondern nur gegen den Mißbrauch,
der mit diesen Vorladungen getrieben würde, gegen die Häufigkeit dersel-
ben, gegen die Fälle, in welchen sie stattfanden.
Wie sehr jedoch die Justizpolitik der Stuarts im Großen und Gan-
zen mit den in England schon damals herrschenden Ansichten über die Un-
abhängigkeit der Rechtspflege im Widerspruch stand, ergiebt sich aus einer im
hohen Grade interessanten Schrift, welche während der ersten Jahre des

95) Foß VI. 117. Hallam I. 347 ff.
9«) Fotz VI. 114 ff.

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