Full text: Volume (Bd. 1 (1867))

320 Ueber das Verhältniß von Justiz und Verwaltung in England.
monasterium ad Scaccarium erwähnt.") Es wäre nun möglich, daß
in solchen Stellen das Wort Exehequer nur den Ort bedeutete, wo
solche Processe verhandelt wurden, wenn die Curia Regis ju Westminster
saß das Sitzungslocal der Curia Regis für Justizsachen. Es ist jedoch
ebenso möglich, daß das Wort Exehequer in solchen Stellen die Be-
hörde bedeutet, in der als dem permanenten Theil der Curia Regis ge-
wöhnliche Civilprocesse naturgemäß erledigt wurden, so daß nach dem Er-
messen des gemeinsamen Präsidenten nur wichtigere Sachen an das Ple-
num der Curia Regis gelangten. Dies Letztere scheint doch eben auch das
Wahrscheinlichere zu sein. 51) Dabei ist übrigens wieder sehr wohl denk-
bar, daß auch die Curia Regis im Locale des Exehequer ihre Gerichts-
sitzungen hielt. Jedenfalls wird bald nach Heinrich II. das Local des
Exehequer vergrößert, indem zu dem 8eaeearhim Baronum (auch Scac-
carium in Solio) der Thalamus Baronum hinzugefügt wird, was wohl
auf irgend eine Weise mit der Vermehrung der Processe am Hofe zusam-
menhängt, damit die Geschäfte der Revenüe keine Unterbrechung litten.")
Jedenfalls hat der Exehequer wieder gleichzeitig Justiz- und Ver-
waltungsgeschäfte.

V. Das Bancum.
Nach der Ansicht von Sir Edward Coke,6S) der sich auch Madox")
angeschlossen hat, wäre schon vor der Magna Charta eine Behörde nach-
weisbar, die gänzlich abgesondert von der Curia Regis, lediglich die
Entscheidung von Processen zwischen Privatpersonen gehabt hätte. Diese
Ansicht ist jedoch unerweislich.
Coke hat sich dafür zunächst auf einen Ausspruch der Richter zur
Zeit Eduards IV. berufen, worin erklärt wird, die Gerichtshöfe von West-
minster hätten seit unvordenklicher Zeit bestanden, so daß Niemand mehr
wissen könne, welcher der älteste sei. Dieser Ausspruch war seiner Zeit
sehr verständig, um Rangstreitigkeiten zu vermeiden, auch war zu Ende
des fünfzehnten Jahrhunderts wirklich die Entstehung jener Gerichtshöfe
„out of memory of men, so as no man knoweth, which of them
is the most antient.“

49) Madox I. 209 ff. Foß II. 167.
50) Die Ansicht von Foß II. 167. 176.
51) So äußert sich, natürlich mit einiger Reserve, Madox I. 209.
") Madox I. 192 ff. Foß I. 180. II. 168. 176.
53) Coke, Proface of 8th Reports. Das Werk scheint in Deutschland nicht vor-
handen zu sein.
") Madox I. 787 ff., der jedoch viele der angeblichen Zeugnisse, namentlich auch
die Berufung auf Glanvilla, zurückweist, und sich auch an einzelnen Stellen nur
schwankend ausspricht.

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