Full text: Volume (Bd. 1 (1867))

Geschichte der Entstehung der Verfassung im Großherzogth. Hessen. 135
und des Volkes als verschieden, vielmehr war er ganz der Ansicht Fried-
richs II.: „Der Fürst ist für die Gesellschaft, was der Kopf für den
Körper ist, er muß sehen, denken, handeln für die ganze Gemeinschaft,
um ihr alle Vortheile, deren sie fähig ist, zu verschaffen und wenn die
Monarchie den Sieg behaupten soll über die Republik, so muß der
Monarch alle seine Kräfte znsammennehmen, um seinen Pflich-
ten zu genügen." Darin fand Er den Kern des monarchischen
Princips! Er konnte aber auf der anderen Seite der Erfüllung des
Art. 13 B.-A. nicht ausweichen.
So erschien zuerst ein Edikt vom 18. Februar 1819, darauf berechnet,
die Drängenden und Zweifler zu beschwichtigen, mit der Verkündigung,
daß im folgenden Jahre eine umfassende Constitutionsurknnde bekannt
gemacht werden solle; darauf ein anderes vom 20. September 1819, aber-
mals zum Zweck der Beruhigung, endlich das „Edikt über die land-
ständische Verfassung des Großherzegthums " vom 18. März 1820.
Es enthielt zunächst die Motive für diesen Schritt und dann die Gründe
des Verzugs wegen nicht sogleich erfolgter Erfüllung des Art. 13 B.-A.
Der Eingang lautete:
„Als Wir Uns entschlossen, durch das Edikt vom 1. October 1806,
die landständische Repräsentation',- welche bis dahin in Unfern alt-
hessischen Landen und in dem Herzogthum Westphalen bestanden hatte, auf-
zuheben, handelten Wir mit dem beruhigenden Bewußtsein, daß der größere
Theil der ruhig und unparteiisch Urtheilenden Unsere Ueberzeugung von
der Rothwendigkeit und Räthlichkeit' dieses Schrittes theile. Es mußte
einleuchten, daß die bestehende ständische Verfassung rc. nicht dazu geeig-
net war, um eine zweckmäßige und gleiche Administration zu befördern.
Daß der Versuch, gleich damals aus den verschiedenartigen Verfassungen,
welche bestanden, eine gemeinsame neue Verfassung hervorgehen zu lassen,
zu keinem wünschenswerthen Resultate führen könne, darüber konnte Nie-
mand zweifelhaft sein rc. Es ist notorisch, welche verhängnißvolle Zeiten
dem Erscheinen Unseres Edikts über die Auflösung der ständischen Ver-
fassungen gefolgt sind. In dem Drange beinahe unausgesetzter Kriegsjahre
war es nicht möglich, an die Schaffung einer neuen ständischen Verfassung
zu denken. (Folgt nun eine Erinnerung an das, was während der vollen
Souverainetät geschah.) Als nachher der Deutsche Bund gegründet wurde,
und die Hoffnung ruhigerer Zeiten sich der Erfüllung zu nahen schien,
da gehörten Wir zu denjenigen Fürsten Deutschlands, welche freiwillig in
Wien den ernsten Willen erklärten, ihren Völkern das Geschenk einer
neuen den Zeitverhältnissen angemessenen ständischen Ver-
fassung zu geben rc. Durch diese Rücksicht bewogen, haben Wir Uns
entschlossen, nunmehr durch diese Urkunde für Unsere Lande eine neue
Zeitschrift s. deutsches Staatsrecht. 1. Bd. 2. Heft. 10

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