Full text: Volume (Bd. 51 = 2.F. 15 (1907))

„Unwirksamkeit" in § 29 KO. und § l AnfG 453
Durch die Anfechtung wird ja nicht die Vermögenslage so
tiergestellt, wie sie vor der Anfechtung war, sondern nur ein
Recht gegen den Anfechtungsgegner begründet, dasjenige zurück-
zugewähren, was in dem Vermögen des Gemeinschuldners ohne
die angefochtene Rechtshandlung liegen würde. Ein Recht dieser
Art kann dem Gemeinschuldner niemals zugeschrieben werden,
denn er könnte es — selbst zum Besten seiner Gläubiger —
nach den Grundsätzen von Treu und Glauben nicht erwerben.
Der Anfechtungsgegner könnte der als Vertreterin des Gemein-
schuldners auftretenden Gläubigerschaft entgegenhalten, daß zu
einer Vertretung des Gemeinschuldners, auch wenn diese als
procura in rem suam gedacht würde, jeder Rechts- oder
Billigkeitsgrund fehle.
Geht man hingegen von der hier vertretenen Auffassung
der Gläubigeransechtung als Ursache der Unwirksamkeit der
Rechtshandlung aus, dann ergibt sich als natürliche Folge der
Gedanke: das Recht des Schuldners muß nicht nur wieder
erstehen, wie es vor der angefochtenen Rechtsänderung bestand,
sondern es muß auch wieder als Bestandteil der Masse er-
stehen.
Dies darf freilich nicht zu der Annahme führen, daß das
Anfechtungsrecht in „latenter" Form schon in dem zur Zeit der
Konkurseröffnung vorhandenen Vermögen des Gemeinschuldners
liegt. Die Zugehörigkeit der Anfechtungsrechte ergibt sich viel-
mehr daraus, daß die Einschaltung des Gemeinschuldners als
vollstreckungsmäßigen Zwangssubjekts des Konkursverfahrens
sich nicht deckt mit dem Umfange der Konkursmasse, wie sie
nach § l1 KO. zur Zeit der Eröffnung des Verfahrens voraus-
gesetzt wird.
Es ist freilich eine bestrittene Frage, ob der Gemein-
schuldner in Ansehung der Anfechtung des Konkursverwalters
als vollstreckungsmäßiges Zwangssubjekt überhaupt in Betracht

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