Full text: Volume (Bd. 51 = 2.F. 15 (1907))

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Voß,

schuldner". Nach der hier vertretenen Auffassung braucht der
Anfechtungsgegner die Anfechtungsfolgen überhaupt nicht zu
„dulden", denn diese treten von Rechts wegen ein. Was er dulden
muß, ist entweder die Vollstreckung gegen den ursprünglichen
Schuldner, der er als akzessorisch beteiligter Mitvollstreckungs-
schuldner hinzutritt, oder, wenn diese Beteiligung gegenstandslos
geworden ist, die Vollstreckung wegen seiner Ersatzleistungen.
Formell, d. h. gewahrsamsmäßig, gehört das Sachver-
mögen ja noch dem Anfechtungsgegner. Aber diese Form ist
dem Anfechtungsberechtigten gegenüber zu einem bloßen Schein
geworden, der seinen Zugriff ebensowenig hindert, wie im Falle
des § 809 ZPO. der bisherige Drittgewahrsam. Der gegen
den Anfechtungsgegner zu erwerbende Titel hat grundsätzlich
den Zweck, jenen zur Anerkennung und tatsächlichen Berichtigung
des Scheinverhältnisses zu nötigen. Doch wird es durch dies
Verhältnis nicht ausgeschlossen, daß die tatsächliche Ausführung
der Vollstreckung gegen den Anfechtungsgegner mit derjenigen
gegen den ursprünglichen Vollstreckungsschuldner unter Ver-
wischung der äußerlichen Grenzen zusammenfließt, oder daß,
wenn die Ausführung der Rückgewähr in Natur unmöglich ist,
an die Stelle dieser ein Ersatzanspruch tritt, dessen Titel- und
Vollstreckungsschuldner selbstverständlich niemand anders als der
Anfechtungsgegner sein kann.
Die eigentlichen Gründe, welche dazu geführt haben, an
die Stelle der Duldung fremder Vollstreckung die Eintrittspflicht
des Anfechtungsgegners als Vollstreckungsschuldners zu setzen,
entstammen, soweit sich ersehen läßt, verschiedenartigen Quellen.
Für die einen liegen sie darin, daß ihnen der Gegensatz des
römischen und des für die Reichsgesetzgebung vorbildlich ge-
bliebenen preußischen Systems nicht deutlich geworden ist, und
daß sie sich demgemäß daran gewöhnt haben, den Sprach-
gebrauch der preußisch-rechtlichen und reichsrechtlichen Vor-

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